Das Pariser Gericht hat die Lafarge-Holcim-Tochter sowie acht ehemalige Führungskräfte schuldig gesprochen, während des syrischen Bürgerkriegs Schutzgelder an den Islamischen Staat (IS) und andere jihadistische Gruppen gezahlt zu haben. Es handelt sich um das erste Mal in Frankreich, dass ein Unternehmen wegen Terrorfinanzierung verurteilt wurde. Das Gericht ordnete Geldstrafen von 1,125 Millionen Euro für die Terrorfinanzierung sowie 4,57 Millionen Euro wegen Verstößen gegen internationale Sanktionen an.
Die Straftaten erstreckten sich über den Zeitraum von 2012 bis 2014. Lafarge zahlte jihadistische Gruppen Schutzgelder, um den Betrieb eines Zementwerks in der nordsyrischen Stadt Jalabiya, damals unter Kontrolle des IS, aufrechtzuerhalten. Das Gericht ermittelte Zahlungen von bis zu 5,6 Millionen Euro an die Terroristen, welche den Zugang zu Rohstoffen und Transport ermöglichten sowie die Durchreise von Mitarbeitern sicherten.
Die Staatsanwaltschaft bezeichnete Lafarge als “kommerzielles Tier”, das bewusst die jihadistische Bestie unterstützte. Auf Führungsebene wurden Warnungen ignoriert oder nicht ernst genommen. Im Mittelpunkt des Verfahrens stand der ehemalige Vorstandschef Bruno Lafont, dem eine sechsjährige Haftstrafe auferlegt wurde. Er befindet sich bereits in Haft und plant, das Urteil anzufechten. Seine Anwältin argumentierte, dass der Konzern möglicherweise unter Einfluss des französischen Geheimdienstes gehandelt habe.
Nach dem Urteil gab es unterschiedliche Reaktionen: Kritiker warfen den Richtern eine fehlende Verhältnismäßigkeit vor, während Menschenrechtsorganisationen den Prozess als wichtigen Schritt im Kampf gegen die Straflosigkeit multinationaler Unternehmen bei schweren Menschenrechtsverletzungen lobten.
Neben Lafont wurden auch der frühere Vizepräsident Christian Herrault und zwei ehemalige Leiter der syrischen Tochtergesellschaft zu Haftstrafen verurteilt. Die Richterin stellte einen direkten Zusammenhang zwischen den Zahlungen und konkreten Gewalttaten wie dem Anschlag auf das Jüdische Museum in Brüssel oder die Attacke auf “Charlie Hebdo” her.