Die Golfstaaten, insbesondere Saudi-Arabien und die VAE, stehen zunehmend zwischen den Fronten des Konflikts zwischen Iran und den USA. Nach dem Auslaufen der Waffenruhe am 8. April griffen die USA Ziele in Iran an, was wiederum zu iranischen Raketen- und Drohnenangriffen auf die Emirate führte. Präsident Donald Trump bezeichnete die amerikanischen Angriffe als „Klaps“ und behauptete, die Feuerpause sei weiterhin wirksam.
Die Golfstaaten sehen das anders: Nach Angaben des Verteidigungsministeriums attackierte Iran die Emirate am Montag mit Marschflugkörpern als Reaktion auf Trumps „Project Freedom“, welches das Ziel hatte, Handelsschiffe durch die blockierte Straße von Hormuz zu lotsen. Das Projekt wurde jedoch kurz darauf eingestellt, angeblich wegen Fortschritten in den Verhandlungen mit Iran. Medienberichten zufolge war der wahre Grund, dass Saudi-Arabien den USA die Nutzung seiner Lufträume und Militärbasen verwehrte.
Dies zeigt, wie unzufrieden die Golfstaaten mit Washingtons hektischen Manövern sind. Sie möchten alle einen baldigen Kriegsende sehen, ziehen aber nicht an einem Strang. Der Golf-Analytiker Sebastian Sons erklärt, dass Saudi-Arabien aus zwei Gründen intervenierte: Erstens war es besorgt über die Aufkündigung der Waffenruhe und zweitens über eine mögliche Blockade im Roten Meer durch die von Iran unterstützten Huthi.
Saudi-Arabien hat aktuell noch Pipelines, um rund neun Millionen Barrel Öl täglich zu transportieren. Ein erneuter Konflikt im Roten Meer würde dies gefährden. Anfangs hatte Saudi-Arabien auf einen Regimewechsel in Iran gehofft, doch nun scheint man eine diplomatische Lösung anzustreben.
Während Saudi-Arabien eher die Friedensbemühungen am Golf unterstützt, sehen sich die Emirate als anti-iranische Falken. Anwar Gargash, ein Berater der VAE, bezeichnet Iran als langfristige Bedrohung, was nicht überrascht, da die Emirate 2020 Beziehungen mit Israel normalisierten und seitdem von Iran stark attackiert wurden. Laut Ebtesam al-Ketbi vom Emirates Policy Center ist Teheran gezielt gegen die VAE vorgegangen, um mehrere Signale zu senden.
Die USA reagierten auf iranische Angriffe mit eigenen Vergeltungsschlägen, was bei Emiratis und Saudis Unmut auslöste. Die VAE suchen verstärkt den Schutz durch Washington und Israel, so schickte Israel während des Kriegs moderne Flugabwehrsysteme dorthin.
Der Konflikt zwingt die Golfstaaten zu einer strategischen Neuausrichtung. Sebastian Sons meint, dass Saudi-Arabien zunehmend unzufrieden mit Washington ist und seine militärische Unterstützung eher als Unsicherheitsgarantie empfindet. Dennoch sehen sich viele Golfstaaten ähnlichen Herausforderungen gegenüber wie Europa: Sie wollen von den USA abhängiger werden, ohne echte Alternativen.
Saudi-Arabien könnte in Zukunft die USA öfter zur Räson rufen, um Gespräche mit Iran zu ermöglichen. Die VAE setzen auf Deeskalation, verfolgen aber gleichzeitig eine härtere Linie und fordern, dass zukünftige Abkommen iranische Raketen- und Drohnenaktivitäten berücksichtigen.
Die unterschiedliche Positionierung der Golfstaaten zeigt, dass sie sich nicht durch den gemeinsamen Feind verbünden. Der Austritt der VAE aus dem von Saudi-Arabien dominierten OPEC unterstreicht die Rivalität zwischen beiden Ländern. Die geopolitische Lage am Golf bleibt daher unsicher und wird voraussichtlich durch temporäre Allianzen geprägt sein, da das Vertrauen in traditionelle Partner wie die USA schwindet.