Das Thema Amerika wird oft als Projektion auf Deutschland interpretiert, besonders im Kontext der zahlreichen Publikationen, die das Ende der Vereinigten Staaten prophezeien. Auch Klaus Brinkbäumer, ehemaliger Chefredaktor des «Spiegels», tritt mit seinem neuesten Werk in diese Diskussion ein.
Autoren, die sich als Kosmopoliten bezeichnen und über andere Länder schreiben, offenbaren oft mehr über ihr Heimatland. Deutsche Beobachter der USA versuchen häufig, den politischen Zustand Amerikas als Warnung für Deutschland zu nutzen. Statt sich von einem vermeintlichen Ende Amerikas abzuwenden, konzentrieren sie sich auf dessen Zerfall.
Klaus Brinkbäumer folgt mit seinem Buch «Der amerikanische Albtraum: Faschismus made in USA» acht Jahre nach «Nachruf auf Amerika» der Linie, die den Niedergang der USA thematisiert. Er verspricht seinen Lesern einen Einblick in Trumps Präsidentschaft und diskutiert mit bekannten Experten wie Yascha Mounk.
In seinem Buch sammelt Brinkbäumer Eindrücke aus Denkfabriken und Universitäten, doch es scheint, als würde er die Nuancen der Meinungen seiner Gesprächspartner übergehen. Während kaum jemand Trumps Präsidentschaft lobt, halten einige Brinkbäumers Begriffswahl wie «Faschismus» für voreilig.
Der Historiker Stephen Kotkin argumentiert dagegen, dass die USA nicht autoritär geworden sind. Auch in Fachkreisen wird über Trumps Präsidentschaft intensiv debattiert. Brinkbäumer bleibt seiner These treu und vermittelt dies auch visuell: Eine Hand mit Hitlergruß hält eine amerikanische Flagge.
Brinkbäumers Buch könnte die Erwartungen deutscher Leser erfüllen, die Amerika schon lange am Abgrund sehen. Kritischere Leser könnten sich jedoch über das eindimensionale Bild des konservativen Amerikas beschweren. Brinkbäumer hätte auch Gegenstimmen einbinden können.
Dystopische Darstellungen der USA haben Konjunktur, wie das Beispiel Claas Relotius zeigt, der erfundene Geschichten schrieb. Solche Darstellungen verführen zum Vergessen wirtschaftlicher Realitäten, wie Deutschlands höherem BIP pro Kopf.
Brinkbäumer bleibt faktengestützt, blendet jedoch Kontext und Gegenstimmen aus, was den Eindruck eines gesellschaftlichen Gruselkabinetts verstärkt. Selbst wenn nicht alle Autoren es explizit sagen, so wird doch ein Weckruf an die Leser gerichtet.
Die Analyse der US-Politik als Gefahr für die deutsche Demokratie ist authentisch, aber auch problematisch. Die ständige Warnung vor «amerikanischen Verhältnissen» erzeugt eine Flucht in Dystopien statt Lösungen zu bieten.
Klaus Brinkbäumer: Der amerikanische Albtraum. Faschismus made in USA. S.-Fischer-Verlag, Frankfurt am Main 2026. 352 S., Fr. 37.90.