Ein Richtungsstreit um den Grad der Kritik an der Kirche selbst prägt die Zukunft von Kath.ch, dem Portal für katholische Nachrichten. Die finanzielle Unterstützung durch die kantonalen Landeskirchen steht auf dem Spiel, da diese eine stärkere Berichterstattung wünschen und sich damit gegenüber den Bischöfen positionieren.
Nachdem Raphael Rauch 2020 mit seiner radikalen Kritik an kirchlichen Würdenträgern für Kontroversen gesorgt hatte, befürchteten Fortschrittliche nach seinem Wechsel zum “Blick” im Jahr 2022 ein Zurückfallen von Kath.ch in die Rolle eines unkritischen Verlautbarungsorgans. Diese Befürchtungen scheinen sich zu bestätigen, zumindest aus der Perspektive der Römisch-Katholischen Zentralkonferenz (RKZ), des Dachverbands der Landeskirchen.
Die RKZ verfügt über erheblichen Einfluss durch die Verwaltung von Kirchensteuern und stellt fast 1,2 Millionen Franken für das Jahr 2026 bereit. Doch diese Mittel sind nur bis Juni gesichert, da sie an Bedingungen geknüpft wurden: Das Portal soll journalistischer werden und weniger klerikal ausgerichtet sein.
Generalsekretär Urs Brosi der RKZ betont, dass Kath.ch sich von seiner ursprünglichen Aufgabe entfernt habe, die Kirche in der Schweiz kritisch zu berichten. Die Plattform sei überwiegend mit Medienmitteilungen gefüllt und vernachlässige wichtige kirchliche Ereignisse, wie z.B. das Pfingstlager der Jungwacht Blauring 2025.
Die Landeskirchen kritisieren auch die geringe Anzahl an selbst recherchierten Artikeln pro Woche sowie den Verzicht auf Wochenend-Berichterstattung, was als unzureichend für die Rechtfertigung der finanziellen Unterstützung angesehen wird. Ein Monitoring soll klären, wie viele journalistische Eigenleistungen erbracht werden und über die Freigabe der Mittel entscheiden.
Obwohl die Bischofskonferenz das Ultimatum unterstützt, könnte es zu Meinungsverschiedenheiten kommen, da ein vollständiges Aus für Kath.ch nicht im Interesse aller Bischöfe liegt. Nadia Omar vom katholischen Medienzentrum äußert sich skeptisch über die Realisierbarkeit des Erwarteten von fünf Journalisten mit 320 Stellenprozent.
Omar stimmt mit Brosi überein, dass Kath.ch kritische Begleitung aktueller kirchlicher Entwicklungen leisten soll. Die Anforderungen der Auftraggeber seien oft widersprüchlich, was die Arbeit erschwere. Sie erhofft sich Klarheit und eine vernünftige Lösung für die Zukunft des Portals.