Aufgrund hoher Treibstoffkosten und Streikbelastungen hebt die Lufthansa das defizitäre Tochterunternehmen vorzeitig aus dem Betrieb. Gewerkschaftler sprechen von einem «offenen Krieg». Als Teil einer beschleunigten Strategieumsetzung wird die Cityline mit 27 Flugzeugen ab Samstag endgültig aus dem Programm genommen, wie eine aktuelle Mitteilung verkündet. Dies soll weitere Verluste der ohnehin defizitären Gesellschaft minimieren. Der Vorstand gesteht ein: «Dieser Schritt ist für die betroffenen Kollegen schmerzhaft». Aufgrund schwieriger Rahmenbedingungen bleibt dem Unternehmen keine Wahl.
Das Aus der Cityline war schon länger geplant, doch das vorzeitige Ende markiert eine neue Eskalationsstufe im jüngsten Konflikt innerhalb Deutschlands. Neben den gestiegenen Kerosinpreisen infolge des Iran-Konflikts nennt die Lufthansa «Mehrbelastungen durch Streiks» als Gründe für das Aus der Cityline. Ein Kompromiss mit den Gewerkschaften Cockpit und UFO scheint damit unerreichbar, sodass Passagiere weiterhin mit Einschränkungen rechnen müssen.
Die Cityline beförderte hauptsächlich Reisende von kleineren Flughäfen zu großen Drehkreuzen wie Frankfurt und München. Ihr vorzeitiger Abgang kommt zur Unzeit, nur einen Tag nach den Feierlichkeiten zum hundertjährigen Bestehen der Lufthansa. Dort präsentierte sich der Konzern als harmonische Familie. Unter prominenter Begleitung aus Politik und Wirtschaft lobte Konzernchef Spohr die verbindende Kraft des Luftverkehrs, während Bundeskanzler Friedrich Merz die Branche als wichtigen Wirtschaftsfaktor pries und seine Unterstützung versprach. Eine Musik- und Tanzgruppe unterhielt das Publikum mit dem Song «We are the Journey».
Für die etwa 1000 Mitarbeiter der Cityline strebt die Lufthansa an, neue Positionen im Konzern zu finden, wie Finanzvorstand Till Streichert betont. In der Vergangenheit wurden bereits entsprechende Angebote gemacht, um eine flexiblere Einsetzung der Beschäftigten zu ermöglichen. Zudem plant das Unternehmen Gespräche über einen Sozialplan, den die Gewerkschaften gefordert hatten. Hierbei geht es jedoch um Detailunterschiede: Bei betrieblichen Plänen verhandelt der Arbeitgeber mit dem Betriebsrat, bei tariflichen Verhandlungen ist die Gewerkschaft stärker involviert.
Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, hatten die Gewerkschaften Warnstreiks organisiert, darunter auch am Tag der 100-Jahr-Feier. Ein zentraler Konfliktpunkt ist eine Verbesserung bei der Altersvorsorge für Lufthansa-Piloten. Trotz Bemühungen um Frieden zeigten sich Konzernvertreter kompromisslos.
In den vergangenen Tagen hatte die Lufthansa angedroht, Kurz- und Mittelstreckenflüge schneller als geplant zu günstigeren Tochtergesellschaften innerhalb des Konzerns zu verlagern. Diese Maßnahme schockiert Gewerkschaftsvertreter: «Wir sind erschüttert über so viel Skrupellosigkeit», sagt Ufo-Tarifexperte Harry Jäger.
Bisherige Flüge der Cityline werden von Air Dolomiti übernommen. Langfristig soll eine 2022 gegründete neue Gesellschaft, die City Airlines, die Funktionen des alten Zubringers übernehmen. Dank besserer Konditionen und Flexibilität erhofft sich der Konzern ein profitables Geschäft.
Die Lufthansa setzt dabei auf einen anderen Ansprechpartner aus dem Arbeitnehmerlager: Während bei der Cityline Verhandlungen mit den Gewerkschaften Ufo und Cockpit geführt wurden, vertritt nun Verdi die Piloten und das Kabinenpersonal von City Airlines. Mit dieser Dienstleistungsgewerkschaft hat sich der Konzern nach monatelangen Gesprächen kürzlich auf einen Tarifvertrag geeinigt.