In einer unerwarteten Wendung wurde Jan Cadieux, zuvor Assistent, zum neuen Nationaltrainer ernannt und führte bereits am Donnerstagnachmittag in der Slowakei seine Mannschaft als Chefcoach an. Als Kind hatte er sich sogar geweigert, überhaupt auf die Eisbahn zu treten.
Paul-André Cadieux, sein Vater, verstarb im September 2024 und war eine Legende des Schweizer Eishockeys mit beeindruckender Erfolgsbilanz. Trotz dieser prominenten Herkunft schien der Weg seines Sohnes nicht vorherbestimmt. Als Kleinkind weigerte sich Jan, Schlittschuh zu laufen, und brachte es trotz anfänglichem Widerstand innerhalb von sechs Monaten dazu, dass er die Leidenschaft fürs Eishockey entdeckte.
Nach seiner aktiven Karriere bei Fribourg-Gottéron im Jahr 2013, als er mit 32 Jahren aufhörte und eine Phase der Desillusionierung durchlebte, fand er seine Bestimmung erst wieder in der Trainerlaufbahn. Zuerst startete er bei den U13-Junioren von Gottéron und wechselte dann zu den Elite-Junioren.
Cadieux nahm die Herausforderung an, mit den Ticino Rockets, einem Team mit schwieriger Ligalage und bescheidenem Gehalt, zusammenzuarbeiten. Er lernte viel über das Spiel und sich selbst. “Ohne die Rockets wäre ich nicht hier”, sagt er rückblickend.
Seine Karriere entwickelte sich weiter: 2019 wurde er Assistent in Genf/Servette und übernahm nach der Entlassung von Patrick Émond den Cheftrainerposten, trotz einer Kontroverse mit lokalen Journalisten, die ihn auf Facebook beleidigten. Servette gewann 2023 seine erste Meisterschaft und 2024 den Triumph in der Champions Hockey League dank eines stark besetzten Kaders.
Cadieux betonte: “Wichtig war, dass wir als Mannschaft auftraten. Talent allein reicht nicht; es kommt darauf an, hart zu arbeiten und die Rollen anzunehmen.” Trotz seiner Entlassung in Genf 2024 wurde er nach dem Rücktritt von Fischer überraschend Nationaltrainer.
Am Donnerstag führte er das Schweizer Team zum ersten Mal als “Sélectionneur” an und verlor ein Testspiel gegen die Slowakei. Bis zur WM am 15. Mai in Zürich wird der endgültige Kader mit den besten Spielern, darunter jene aus NHL-Teams, noch zusammengefügt.
Der Weg von Cadieux zum Nationaltrainer war unvorhersehbar und zeigt seine Entwicklung vom Spielerverweigerer zur Hoffnungsträgerfigur im Schweizer Eishockey.