Zwischen dem grellen Milliardenspektakel «The Super Mario Galaxy Movie» und der besinnlichen Arthouse-Produktion «Arco» liegt eine erhebliche Kluft im aktuellen Kinomarkt. Während das erstgenannte Werk als ein perfektioniertes Beispiel für Marketinglogik glänzt, schafft es der zweite Film mit handgezeichneten Bildern nachdenkliche Visionen einer möglichen Zukunft.
Zwei familienfreundliche Animationsfilme, die farbenfroh durch Raum und Zeit führen, stehen zur Auswahl. Doch das ist auch schon die Gemeinsamkeit zwischen «The Super Mario Galaxy Movie», einem Videospiel-Adaption mit weltweiten Einnahmen von 400 Millionen Dollar in nur wenigen Tagen, und «Arco», einer französischen Produktion, die für einen Oscar nominiert wurde. Der Blockbuster repräsentiert eine industrielle Massenware, während der zweite Film ein kreatives Kunstwerk mit kleinerem Publikum darstellt.
Skeptiker könnten in «The Super Mario Galaxy Movie» Anzeichen sehen, wie das Kino zukünftig für Massenpublika aussehen könnte: weniger als Erzählkunst denn als Überflutung durch grelle Effekte. Der Film basiert auf der global bekannten Marke Nintendo und zielt primär darauf ab, ihre Produkte zu bewerben.
Der Vorgänger «The Super Mario Bros. Movie» brachte 1,3 Milliarden Dollar ein und machte ihn zur erfolgreichsten Videospielverfilmung aller Zeiten. Ein dritter Teil ist bereits in Planung. Der Film zieht das Publikum mehr durch seine bloße Existenz an als durch seinen Inhalt, der sich auf die Rettung von Prinzessin Rosalina konzentriert.
«The Super Mario Galaxy Movie», ab sechs freigegeben, verzichtet komplett auf Charakterentwicklung und Emotion zugunsten einer infantilisierenden Nostalgie. Der Film fördert eine Art «Interpassivität» ohne aktive Zuschauerbeteiligung.
Obwohl die Illumination-Studios beeindruckende Animationen liefern, wirkt das Werk wie ein Produkt glattgebügelter Marketingstrategie. Gags und Anspielungen sind jedoch für Fans unterhaltsam.
Ganz anders ist «Arco», der mit seiner handgezeichneten Ästhetik an Studio Ghibli erinnert. In einer futuristischen Welt, in der sich Menschen von der Erde zurückziehen lassen, um sie regenerieren zu können, reist der Junge Arco versehentlich ins Jahr 2075 und begegnet dort den Herausforderungen des Klimawandels.
Der Film thematisiert Klimaerwärmung, Vereinsamung und künstliche Intelligenz und bietet Bezüge für Erwachsene wie Kinder. In Anlehnung an den französischen Comic, inspiriert durch Regisseur Ugo Bienvenu, treten witzige Nebenfiguren auf, die das Publikum zwischen Enttäuschung und Zuversicht über die Zukunft schwanken lassen.
«The Super Mario Galaxy Movie» ist derzeit im Kino (98 Minuten) zu sehen. «Arco» startet am 9. April in den Kinos (89 Minuten).