In New York hat das Werk von Bildhauerin Kristen Visbal zu einem weltbekannten Symbol für weibliche Selbstbehauptung avanciert. Am 7. März 2017 erregte eine über Nacht aufgestellte Bronzeskulptur Aufsehen: Ein frech dreinschauendes Mädchen in lebensgrosser Grösse stand vor dem berühmten Bullen von Arturo Di Modica, einem Symbol für Wirtschaftskraft nach dem Börsencrash 1987. Die Anwesenheit des kleinen Mädchens machte den Bullen zu einer Bedrohung.
Kristen Visbal schuf das Werk im Auftrag von State Street Global Advisors (SSGA), um einen Investmentfonds mit Schwerpunkt auf Frauen in Führungspositionen zu bewerben. Das Projekt entwickelte sich jedoch schnell zu einem kulturellen Phänomen und wurde zum Symbol für Frauenrechte, weshalb die Stadt New York 2018 entschied, es dauerhaft am Wall Street zu belassen.
Ein Rechtsstreit entbrannte zwischen Visbal und SSGA, als sie ohne Zustimmung Kopien der Skulptur verkaufte. Nachdem Visbal im Januar 2019 eine Statue beim Women’s March in Los Angeles verkauft hatte, klagte SSGA wegen Vertragsverletzung. Das Unternehmen warf ihr vor, gegen die Vereinbarungen und Markenrechte zu verstoßen.
SSGA betonte, dass Visbal trotz zahlreicher Kontaktversuche nicht kooperieren wollte, und zog Vergleiche zu einem früheren Rechtsstreit wegen einer ungelieferten Statue. Visbal behauptete hingegen, über das Copyright für ihre Figur verfügen zu können.
Die rechtlichen Auseinandersetzungen belasteten Visbal stark. Sie gab schließlich alle Ansprüche an der Skulptur auf und kündigte an, nach einer persönlichen Auszeit eine neue Version des “Fearless Girl” zu erschaffen – diesmal ohne kommerzielle Bindung oder Begrenzung für die Nutzung.