Seit Donnerstag stehen fünf Verdächtige aus einer mutmaßlich großen Betrügerbande vor Gericht in Heilbronn. Ihnen wird vorgeworfen, Fahrschülern gegen Bezahlung geholfen zu haben, sich den Führerschein durch illegale Mittel zu erschleichen.
Am Landgericht Heilbronn hat der Prozess begonnen, der als einer der größten Fälle organisierter Führerscheinkriminalität in Deutschland gilt. Unter den fünf Angeklagten befinden sich zwei Fahrschulinhaber, die beschuldigt werden, über ein Netzwerk Doppelgänger vermittelt zu haben. Diese sollten dann für andere gegen Bezahlung an Führerscheinprüfungen teilgenommen haben.
Die Anklage sieht 59 Taten in mehreren Bundesländern zwischen November 2022 und Juni 2025 vor, durch die die Bande über 179.000 Euro eingenommen haben soll.
Dieser Fall ist kein Einzelfall: Der TÜV-Verband berichtet von hohen Zahlen bei Führerscheinprüfungs-Betrug. Im vergangenen Jahr wurden bundesweit 4.239 Täuschungsversuche in der theoretischen Prüfung registriert, ein Anstieg um ein Prozent gegenüber dem Vorjahr. Nach einem Anstieg von 13 Prozent im Jahr 2024 und sogar 36 Prozent im Jahr 2023 sind die Betrugsfälle erneut gestiegen.
Als am häufigsten genutztes Hilfsmittel gilt der klassische Spickzettel, aber moderne Tricks werden immer raffinierter. So setzen Täter auf Mini-Kameras oder Ohrhörer für externe Hilfe während der Prüfung. Im vergangenen Jahr wurden in 17 Prozent der Fälle Stellvertreter eingesetzt.
Die meisten Betrugsfälle traten in Nordrhein-Westfalen, Berlin und Bayern auf, doch die Dunkelziffer könnte deutlich höher sein, so der Verband. Fani Zaneta vom TÜV-Verband warnt davor, dass solche Betrügereien nicht nur rechtswidrig sind, sondern auch Sicherheitsrisiken im Straßenverkehr bergen.
Der TÜV-Verband fordert daher, organisierten Prüfungsbetrug als eigenständigen Straftatbestand zu definieren und empfiehlt bundesweite Abschreckungsmaßnahmen. Eine Möglichkeit wäre eine zeitliche Sperre für Prüfungen bei einem Betrugsversuch sowie die Anordnung medizinisch-psychologischer Untersuchungen.
Quelle: Deutsche Presse-Agentur