Nach dem Zusammenschluss der Helvetia und Baloise arbeitet CEO Fabian Rupprecht intensiv daran, das fusionierte Unternehmen profitabler zu gestalten. Ein Teil dieser Strategie umfasst einen weiteren Personalabbau, wobei Bereiche wie Finanzen, IT, Risikomanagement sowie Innendienste betroffen sind. Diese Maßnahmen wurden während eines Gesprächs erläutert.
Am Kapitalmarkttag in London präsentierten Rupprecht und sein Team den Investoren die Zahlen für das Geschäftsjahr 2025 und erste Fusionsfortschritte, was zunächst zu einem Aktienanstieg von fast 4 Prozent führte. Allerdings bröckelten die Gewinne im Laufe des Tages ab.
Rupprecht betonte: «Die Fusion war der richtige Schritt». Er ist überzeugt davon, dass Helvetia Baloise nun in der Lage ist, das Potenzial der Fusion voll auszuschöpfen und sowohl die Profitabilität als auch die Attraktivität für Aktionäre zu steigern. Die Ankündigung hoher Dividenden – insgesamt mehr als 2,8 Milliarden Franken zwischen 2026 und 2028 – begeisterte die Investoren.
«Als stabiler und verlässlicher Dividendenzahler sind wir attraktiv für Aktionäre», erklärte Rupprecht. Er kündigte an, dass die Dividende 2029 um mehr als 50 Prozent höher liegen soll als 2025. «Die Investoren wissen auch, dass die Dividenden in Franken gezahlt werden.
Um die Fusion zu einem Erfolg zu machen und das Unternehmen profitabler zu gestalten, ist ein erheblicher Stellenabbau erforderlich. Die Konzernführung plant Einsparungen von 350 Millionen Franken jährlich, was zusammen mit früheren Programmen der beiden Unternehmen zu Gesamteinsparungen von etwa 650 Millionen Franken führen soll.
Rupprecht bestätigte Pläne zum Abbau von 2000 bis 2600 Arbeitsplätzen weltweit und 1400 bis 1800 Stellen in der Schweiz. Bereits wurden 1100 Stellen gestrichen, wobei ein großer Teil durch Fluktuation, freiwillige Mitarbeiterprogramme sowie Frühpensionierungen erfolgte.
Der Abbau wird in mehreren Phasen stattfinden, zuletzt im Februar und erneut im Mai, mit weiteren Schritten geplant für 2027 und 2028. Basler Standorte sind besonders betroffen; rund 4000 Personen arbeiteten dort zu Beginn des Jahres, was etwa die Hälfte der Schweizer Belegschaft ausmachte.
In St. Gallen sollen zunächst 400 Arbeitsplätze nach Zürich/Stettbach verlagert werden, da die Büros in Stettbach gut ausgelastet sind. Die genaue Verteilung der Arbeitsplatzverluste ist schwierig zu ermitteln, da viele Mitarbeiter mehreren Standorten zugeordnet oder mobil arbeiten.
Der Abbau betrifft vor allem Finanzen, IT, Asset Management, Risikomanagement, Human Resources und Kommunikation sowie Innendienstjobs. Im Vertrieb sind keine Einsparungen geplant; hier bleiben die Agentur-Mitarbeiter von Helvetia und Baloise in einer neuen Organisation zusammengeführt.
In Deutschland sind etwa 300 Stellen betroffen. Rupprecht erklärte, dass sich der Maklermarkt dort durch den Zusammenschluss stärkt. Eine Abkehr vom deutschen Markt ist nicht geplant.
Spekulationen über eine Namensänderung wurden mit dem neuen Logo beantwortet, das nur noch «Helvetia» zeigt. Das moderne Design basiert auf dem Baloise-Logo.
Rupprecht betonte den fairen Charakter der Fusion: «Wir sind ein Merger of Equals», wobei die Personalentscheidungen nicht nach Proporz erfolgen, sondern nach Eignung.
Obwohl leer stehende Büros entstehen könnten, sieht Rupprecht dies als kein Problem an. Der Konzern ist ein bedeutender Immobilieninvestor mit einem Fokus auf Wohnimmobilien und hat bereits seine Kapazitäten erreicht, weshalb man Teile der Bestände in Immobilienfonds überträgt.
Die Fusion zusammen mit Entwicklungen im Bereich der künstlichen Intelligenz könnte den Versicherungssektor vor Herausforderungen stellen. Rupprecht sieht KI als Chance, die Europa nutzen sollte, um nicht abgehängt zu werden.