Weltweit fehlen durch den Golfkrieg rund 20 Prozent Rohöl, was vor allem Kerosin und Diesel betrifft. Bereits in Australien werden Inlandflüge reduziert; ähnliche Maßnahmen könnten bald auch Europa treffen.
In der Europäischen Union steigt die Sorge um eine mögliche Kerosin-Knappheit während der Sommerferien, da Flugreisende mit höheren Kosten rechnen müssen. Die europäische Abteilung des Weltflughafenverbands (ACI) warnte die EU-Kommission in einem Brief vor einer drohenden Knappheit zur Hauptreisezeit im Sommer, falls der Erdöltransport durch die Straße von Hormuz nicht innerhalb von drei Wochen wieder aufgenommen wird. Diese Meerenge ist für den Versand von 20 Prozent des weltweit benötigten Rohöls und dessen Derivaten essenziell.
Obwohl die EU-Kommission berichtet, dass die Rohöllieferungen stabil seien und keine Freigabe der Reserven nötig sei, bleibt die Lage wegen beschädigter Raffinerie-Infrastruktur am Golf problematisch. Europa kann den Ausfall nicht ausgleichen, da viele EU-Länder über begrenzte Raffineriekapazitäten verfügen.
In der Schweiz wird die Versorgung mit Mineralölprodukten als gesichert betrachtet, sofern Lieferungen wie geplant eintrifft. Die Pflichtlager für Flugpetrol sollen eine dreimonatige Deckung ermöglichen.
In Asien sind bereits Kerosin-Exportverbote eingeführt worden und einige Flughäfen lehnen neue Verbindungen ab, um den Bedarf zu decken. Asiatische Airlines reagieren mit zusätzlichen Tankstopps und erhöhter Betankung.
Italienische Flughäfen berichten von Lieferproblemen durch Air BP Italia; viele europäische Flughäfen sind über die Versorgungssicherheit mit Kerosin nicht genau informiert. Der Flughafen München gibt jedoch keine Anzeichen für eine Verknappung.
Die Lufthansa Group plant im schlimmsten Fall, 40 Flugzeuge stillzulegen, um den höheren Kerosinpreisen und der sinkenden Nachfrage durch steigende Ticketkosten entgegenzuwirken. Der weltweite Ölangebot ist seit März um etwa 10 Prozent gefallen.
Erdölpreise haben sich stark erhöht, mit Terminmärkten, die bis zu 120 Dollar pro Barrel für Brent-Öl erreichten und physisches Rohöl sogar auf 150 Dollar stiegen. Raffinerieprodukte sind noch teurer. Passagiere müssen daher auf höhere Ticketpreise einstellen, möglicherweise mit Flugausfällen.