Im Kreis 4, bekannt für seine abwechslungsreiche Bevölkerung tagsüber und nachts, zeigt das Kanzleiareal ein buntes Treiben: Dealer, Kunden, Arbeitslose und Kinder auf dem Spielplatz. Hier wird Joel Basman gesehen, wie er mit einer Ikea-Tasche und einem Einkaufstrolley eine Perücke zum Kanzlei-Club bringt. Der 36-jährige Schauspieler feiert sein Bühnendebüt in einem Stück über Drogensucht, das er zusammen mit dem Regisseur Michael Steiner verfasste. Vor der Aufführung treffen sich die beiden für ein Interview und bereiten Requisiten vor.
Joel Basman verkörpert Sonja, eine 50-jährige Frau mit einer langen Geschichte der Sucht, inspiriert von Beobachtungen aus ihrer Kindheit auf der Langstrasse. Steiner erinnert sich an die Grenzen überschreitende Frau und beschreibt ihre Routine als Parallele zu tierischen Instinkten. Trotz des ernsten Themas schaffen Basman und Steiner es, Tragik mit Komödie zu verbinden.
Steiner betont den Respekt vor dem Thema, der durch umfangreiche Recherche untermauert wird. Sonja hat einen schweren Weg hinter sich: Heroinsucht, Aufenthalt auf dem Platzspitz und Überleben am Letten. Die Geschichte erzählt von einem anderen Zeitalter der Drogenszene.
Basman hebt hervor, dass das Bedürfnis nach zeitlichem Abstand die Erzählung ermöglicht. Steiner beklagt, dass Zürich die Geschichte seiner Drogenszene nicht ausreichend aufgearbeitet hat. Beide betonen, dass ihr Stück keine Schuldzuweisungen macht und stattdessen eine Botschaft der Entlastung vermittelt.
Die beiden Künstler heben hervor, dass sie kein politisches Theater machen wollen, sondern einfach Geschichten erzählen möchten. Die gegenwärtige Drogenszene bleibt ein aktuelles Thema, trotz Anstrengungen seitens der Stadt und Einrichtungen wie dem Arud.
Basman reflektiert über seine Kindheit nahe der Bäckeranlage und die dortigen Mutproben unter Süchtigen. Er spricht von einer Gemeinschaft, in der es vielen schwerfällt, anderswo zu leben, obgleich es Möglichkeiten gäbe, das Leben zu ändern.
Der Erfolg des Stücks überraschte sie selbst; geplant waren nur wenige Vorstellungen, nun spielen sie sogar im Kaufleuten. Die positive Resonanz und Diskussionen unter dem Publikum zeigen den Wert ihrer Arbeit auf. Trotz fehlender Unterstützung durch die Kulturförderung bleiben Basman und Steiner unabhängig und bestreiten ihre Projekte mit eigenen Netzwerken.