Clariant, ein Schweizer Chemieunternehmen mit Standorten im Baselbiet, hat die Auswirkungen des Iran-Kriegs deutlich zu spüren bekommen. Das Unternehmen verzeichnete im ersten Quartal einen Umsatzeinbruch um 9 Prozent auf 918 Millionen Franken. Dieser Rückgang ist auch auf den starken Schweizer Franken zurückzuführen, der als sicherer Hafen in Krisenzeiten gefragt war. Lokalwährungsbereinigt lag das Minus bei 2 Prozent.
Besonders betroffen zeigt sich Clariant beim operativen Gewinn (Ebitda), der um 16 Prozent auf 160 Millionen Franken zurückging, was unter anderem auf erhebliche Belastungen im Nahen Osten zurückzuführen ist. Obwohl die Region nur etwa 5 Prozent des Umsatzes ausmacht, war Clariant in der Vergangenheit dank profitabler Aufträge für Petrochemieanlagen erfolgreich, insbesondere durch den Verkauf von Katalysatoren. Diese Substanzen sind entscheidend für effizientere chemische Prozesse und zur Reduzierung von Energieverbrauch und Emissionen.
Die Umsätze in diesem Segment sanken um 12 Prozent, während der bereinigte Ebitda sich halbierte. Rund 40 Kunden mussten ihre Anlagen schließen, was den Bedarf an Katalysatoren erheblich reduzierte. Betroffen sind nicht nur Standorte im Nahen Osten, sondern auch in China, Südkorea und Japan.
Die Blockade der Straße von Hormuz hat weitreichende Folgen für die Chemiebranche: Petrochemische Betriebe können ihre Produkte nicht mehr liefern, was auch asiatische Firmen trifft, da sie auf Grundstoffe aus dem Nahen Osten angewiesen sind. Clariant beschäftigt in dieser Region 150 Mitarbeiter an fünf Standorten. Konzernchef Conrad Keijzer äußerte sich positiv über die aktuelle Ruhe im Nahen Osten und hofft, dass der Betrieb nach der Wiedereröffnung der Straße von Hormuz wieder normalisiert wird. In Katar werden nur noch essenzielle Arbeiten ausgeführt.
Trotz dieser Herausforderungen rechnet Clariant bis Ende Juni mit einer Öffnung der Wasserstraße und strebt ein Nullwachstum im Umsatz für das Gesamtjahr sowie eine Ebitda-Marge von 18 Prozent an. Im ersten Quartal sank die Marge von 18,8 auf 17,5 Prozent. Durch Preiserhöhungen und Kostenreduktionen soll die Profitabilität verbessert werden, ohne dass dauerhafte Betriebsschließungen erwartet werden.
Clariant ist nicht allein; andere europäische Chemiekonzerne haben ihre Prognosen ebenfalls unverändert gelassen. Analysten der UBS sehen es als verständlich an, dass viele Firmen den Ausblick vorerst nicht ändern, da die Zukunft unsicher bleibt und sich je nach Konfliktentwicklung im Nahen Osten positiv oder negativ entwickeln könnte.
Analysten von Vontobel bewerteten den Umsatz als schwach, lobten jedoch die Wirkung der Sparmaßnahmen. Clariant plant jährliche Einsparungen von 80 Millionen Franken früher als erwartet zu erreichen. Finanzchef Oliver Rittgen betonte: “Wir haben uns Muskeln antrainiert.” Der Aktienkurs von Clariant fiel am Freitag um 1,4 Prozent auf 7.98 Franken und befindet sich seit fünf Jahren im Sinkflug mit einem Rückgang von fast 60 Prozent.