Das dritte Mal in Folge verpasst Italien die Fußball-Weltmeisterschaft, ein Zeichen für den desolaten Zustand des Calcio. Das Scheitern bei der Qualifikation ist Ausdruck einer Gesellschaft, die Schwierigkeiten hat, junge Menschen und Einwanderer zu fördern – vielleicht sogar das Beste, was Italien passieren konnte.
Italien, die Fußballnation von vier Weltmeisterschaftsgewinnen, erinnert an einen unverbesserlichen Schüler. Trotz wiederkehrender Prüfungen hat sich nichts geändert: Der Stoff und die Termine waren immer bekannt, aber das Lernen unterblieb.
Nun wird die WM in Nord- und Mittelamerika ohne den traditionellen Teilnehmer Italien ausgetragen. Im November 2017 verpasste man das Turnier im Play-off gegen Schweden, vier Jahre später gegen Nordmazedonien, und zuletzt am Dienstag gegen Bosnien. Zufälle sind möglich, doch Italiens Misserfolg ist längst keine Laune des Schicksals mehr; er ist die Folge von Untätigkeit.
Dieses dritte verpasste Turnier könnte der beste Weckruf für den italienischen Fußball sein. Es zeigt, dass ohne tiefgreifende Veränderungen kein Anschluss an den Weltfußball möglich ist. Es wäre Zeit, sich mit dem Problemschüler auseinanderzusetzen. Die Verbesserungsbereiche umfassen eine koordinierte Nachwuchsarbeit, eine Reduzierung der Serie A auf weniger Teams, eine leidenschaftliche Verbandsführung und den Bau attraktiver Stadien.
Diese Probleme bestehen seit Jahrzehnten. Doch das System Calcio war unfähig oder unwillig zur Reform. Die Machtelite im Verband wollte die großen Klubs nicht verärgern, die lieber fertige ausländische Talente kauften, statt sie selbst auszubilden. Dies spiegelt einen wichtigen Punkt der italienischen Gesellschaft wider: Kinder von Einwanderern haben oft Schwierigkeiten, sich sowohl im sozialen Leben als auch in der Sportwelt zu integrieren. Moise Kean ist nach dem Spiel gegen Bosnien nur der fünfte dunkelhäutige Spieler in der Nationalmannschaft.
Vergangene Erfolge täuschten die Verantwortlichen. Schon 2006 war der italienische Fußball marode, trotz des WM-Gewinns unter einem Skandal um Betrug. Das verschleierte nur vorübergehend die Probleme in Klubs und Verband. Reformen wurden aufgeschoben.
Die Jahre vergingen, bis das Team 2010 bei der Weltmeisterschaft in Südafrika ohne Sieg ausschied, als Gruppenletzter. Damals begann Italien bereits über Nachwuchsleistungszentren nachzudenken – etwas, was Länder wie Frankreich und Deutschland schon umgesetzt hatten.
Roberto Baggio wurde 2011 Verbandspräsident der technischen Abteilung und erstellte einen ausführlichen Plan zur Verbesserung des Trainerwesens. Doch der Plan landete ungenutzt in Schubladen, was Bagattis Rücktritt 2013 erklärt.
Das Scheitern setzte sich fort: 2014 schied Italien wieder in der Gruppenphase aus, diesmal gegen Costa Rica. Danach folgten die drei verpassten Qualifikationen. Zwischendurch gelang es, den EM-Titel zu gewinnen, was eine falsche Sicherheit erzeugte.
Der damalige Trainer Roberto Mancini schaffte es kurzfristig, ein starkes Team aufzubauen, doch ohne seine Leitung fehlte die klare Linie und Identität. Besonders deutlich wurde dies im EM-Viertelfinale 2024 gegen die Schweiz unter Coach Luciano Spalletti. Die Schweizer haben einen konkreten Plan zur Talentförderung entwickelt, den Italien bisher vermissen lässt. Ohne eine solche Basis kann auch ein erfahrener Trainer wie Gennaro Gattuso nicht wirken.