In Erlen im Thurgau bietet der Landwirt Beat Stump gestressten Menschen die Möglichkeit, den Alltagsstress beim Jäten eines Knoblauchfeldes abzubauen. Was für ihn alltägliche Arbeit bedeutet, transformiert er zu einem Entschleunigungs-Event. An diesem kühlen Morgen widmen sich über ein Dutzend Oberstufenschüler der Aufgabe, trotzen Wind und Wetter mit guter Laune.
Pünktlich um 10 Uhr morgens kämpfen die Jugendlichen gegen den eisigen Wind auf dem Feld. Zwischen den Knoblauchreihen stehen sie – einige in geeigneter Kleidung, andere mit durchnässten Turnschuhen, alle fokussiert bei der Arbeit.
Beat Stump erklärt das hohe Arbeitsaufkommen beim Jäten: Der Boden ist kaum von Knoblauch bedeckt und das Unkraut wächst schneller. Termine für diese Arbeit sind nicht verschiebbar: “Das Feld wartet nicht”, so seine Worte.
Die Idee des “Erdungs-Events” hat Stump von einem Zürcher Biobetrieb übernommen, wo Manager die harte Arbeit hinter einer Knoblauchzehe erfahren sollten. Nun möchte er diese Lernerfahrung im Thurgau verbreiten.
Das Konzept ist nicht ausschließlich selbstlos: Früher unterstützten polnische Arbeitskräfte beim Jäten; heute leisten Gruppen dafür einen “Zmittag” oder ein Feierabendbier. Stump spricht von einer “Win-Win-Situation”.
Die Schülerinnen und Schüler arbeiten sich methodisch durch die Reihen vor, während einige fluchen, andere lachen und wiederum andere in der monotonen Bewegung fast eine meditative Erfahrung finden. Eine Schülerin äußert: “Es ist zwar kalt und nass, aber irgendwie macht es Spass.”
Auch die beiden Klassenlehrer beteiligen sich aktiv. Für sie bietet der Tag eine willkommene Abwechslung zum Schulalltag. “Es läuft super”, kommentiert einer von ihnen schmunzelnd beim Ausreißen eines Unkrautbüschels.
Am Ende des Tages sind alle erschöpft – “von Kopf bis Fuss”, wie es ein Teilnehmer beschreibt. Für manche war es ein Teamevent, für andere harte Arbeit. Die Perspektive variiert, die Erfahrung bleibt.
“Wir unterstützen solche Aktivitäten”, äußert sich Peter Hinder auf Nachfrage zur Aktion “Arbeiten auf dem Knoblauchfeld zum Runterkommen”. Als Geschäftsführer des Verbandes Thurgauer Landwirtschaft betont er, dass es keine negativen Rückmeldungen aus der Landwirtschaft gegeben habe. Im Gegenteil: Innovation sei gefragt und hier offensichtlich gelungen. Zudem beobachte er, dass Feldarbeit viele gestresste Menschen tatsächlich entschleunige.
Regionaljournal Ostschweiz, 1.4.2026, 17:30 Uhr