Die Armbanduhr wurde lange als zerbrechliches, ungenaues Damenaccessoire angesehen. 1926 revolutionierte Hans Wilsdorf dies mit der Rolex «Oyster». Ein Rückblick auf ihre Entstehung und die neuen Vorstellungen in Genf. Hans Wilsdorf verkündete im Januar 1927: «Meine Herren, wir bauen die beste Armbanduhr der Welt.» Damals war das Handgelenk noch kein akzeptabler Ort für Uhren – zu ungenau und anfällig gegenüber Störfaktoren wie Bewegung und Feuchtigkeit. Wilsdorf, geboren 1881 in Bayern, verfolgte eine Vision: die Armbanduhr als präzise Alltagshilfe zu etablieren. Bereits 1910 erhielt eine Rolex-Armbanduhr ein Chronometerzertifikat und bewies ihre Präzision. Ein weiterer Meilenstein war das Klasse-A-Präzisionszertifikat vom Kew Observatory in England im Jahr 1914. Die Herausforderung lag jedoch in der Schutzfunktion. Wilsdorf entwickelte die «Oyster», inspiriert von bestehenden Patenten, und schuf ein verschlossenes Gehäuse, vergleichbar mit einer Auster. Das Resultat: Die erste massentaugliche wasserdichte Armbanduhr. Im Oktober 1927 nutzte Wilsdorf den medialen Effekt der Kanalüberquerung durch Mercedes Gleitze zur Präsentation der Oyster-Uhr. Dies markierte den Anfang des «Testimonee-Konzepts» von Rolex. Parallel stärkte er die Markenidentität, indem er verlangte, dass alle Uhren den Rolex-Schriftzug tragen. Ein weiterer Durchbruch war das automatische Aufzugsprinzip in den frühen 1930ern, was die Oyster Perpetual möglich machte. Heute feiert die Oyster ihr 100-jähriges Bestehen mit einer zurückhaltenden Hommage durch vier neue Modelle der Oyster Perpetual. Eine davon trägt diskret das Jubiläumsschild «100 years» bei 6 Uhr. Darüber hinaus präsentiert Rolex zwei überarbeitete Yacht-Master-Modelle, die nun eine intuitivere Countdown-Funktion bieten und sich verstärkt dem Segelsport widmen. Zudem hat Rolex ihre Qualitätsstandards erhöht: Die «Superlative Chronometer»-Zertifizierung umfasst nun sieben Kriterien, darunter Magnetresistenz und Nachhaltigkeit. Diese Entwicklungen reflektieren Wilsdorfs ursprüngliches Ziel: Präzision und Zuverlässigkeit unter realen Bedingungen.