Ein verkehrspolitischer Disput zwischen der bürgerlichen Kantonsregierung und dem linken Stadtrat entzündet sich an der Limmat. Vor den Kantonssitzungen in Zürich hat die Stadt überraschend eine Fahrspur für Autos gesperrt und sie zu einem Veloweg umfunktioniert, was einen kantonalen Eingriff provozierte. Der Gesamtregierungsrat verlangte von der Stadt per scharfem Schreiben die Rückkehr zum ursprünglichen Zustand am Neumühlequai.
Die Staatskanzlei hält sich mit Details zurück, betont jedoch, dass das Verkehrsmanagement Sicherheit und Verkehrsfluss gewährleisten müsse – beides sei aktuell nicht gegeben. Ein zentraler Vorwurf ist der mögliche Bruch des Anti-Stau-Artikels, eines Gesetzes, das verlangt, Fahrspuren nur mit gleichwertigem Ersatz zu reduzieren.
Die Stadt argumentiert, dass es sich um eine vorübergehende Lösung während der Sanierung einer Tramhaltestelle handelt und den Autoverkehr durch längere Grünphasen entlastet. Der FDP-Kantonsrat Marc Bourgeois sieht diese Maßnahme als Bruch des Anti-Stau-Artikels an, da sie Teil eines umfassenderen Trends sei.
Der grüne Stadtparlamentarier Markus Knauss hingegen bezeichnet die Vorwürfe als überholtes Narrativ. Er betont, dass die Stadt bereits große Anstrengungen unternommen hat, um den kantonalen Vorgaben nachzukommen.
Wie lange der Veloweg tatsächlich bestehen bleibt, ist strittig. Der Kanton vermutet eine dauerhafte Maßnahme und plant notfalls, die Markierungen eigenständig zu entfernen. Dies wäre bereits der zweite Fall innerhalb kurzer Zeit, in dem städtische Initiativen ohne entsprechende Genehmigung durchgeführt wurden.