Die Bundesregierung in Berlin versucht mehrere Rollen zu vereinen: wirtschaftsnah und klimabewusst zugleich, offen für neue Technologien und ohne Streit. Das Ergebnis ist ein politisches Hybridenwesen, vergleichbar mit einem Elektroauto und Range Extender – eine begrenzte Reichweite und Unsicherheit über den zuständigen Antrieb. Ein Blick nach Brüssel zeigt: Die ambitionierten Klimapläne der letzten Jahre werden leise zurückgefahren. Das ehemals ikonische Verbrenner-Aus bis 2035 wird Stück für Stück relativiert, mit einem Ziel von 90 Prozent weniger Emissionen statt null Emissionen, wobei Restemissionen kompensiert werden sollen. Selbst das genügt Teilen der Union nicht: Sie fordern weitere Lockerungen und niedrigere Emissionsgrenzen, um klassische Technologien mehr Raum zu geben. Pragmatismus könnte man diesen Schritt nennen. Denn die Realität hat sich schneller entwickelt als politische Vorhaben. Probleme beim Absatz von Elektroautos, Druck aus China sowie Unsicherheiten bei Infrastruktur und Preisen zwingen zur Anpassung der Politik. Das „Aus“ wird zum „Vielleicht später oder anders“. Brüssel schaltet den Rückwärtsgang ein. In Berlin hingegen versucht die schwarz-rote Regierung, das Gegenteil zu demonstrieren. Der Umweltminister stellt 67 Klimaschutzmaßnahmen vor, darunter mehr Windräder, E-Autos und Fernwärme – Maßnahmen zur Einsparung von 27 Millionen Tonnen CO₂. Diese Liste klingt nach Fortschritt, ist aber größtenteils bürokratisch. Es fehlen die entscheidenden Schritte, um die Klimaziele zu erreichen, vor allem im Verkehrsbereich. So entsteht ein Kontrast: In Brüssel wird die Klimapolitik vorsichtig zurückgefahren, um die Industrie nicht zu überfordern. Gleichzeitig wird sie in Berlin ausgebaut, um die Ziele nicht zu verfehlen. Heraus kommt kein durchdachter Plan, sondern ein politisches Pendeln zwischen industriepolitischer Vernunft und klimapolitischem Ehrgeiz. Grün genug für Programme, aber nicht für Konsequenz; wirtschaftsnah genug für Korrekturen, jedoch ehrlich genug, um das offen zu sagen, bleibt aus. Damit enttäuscht die Regierung Wähler, die in der Union ein Alternativmodell zur Ampel gesucht haben, und bietet stattdessen eine verwässerte Version von allem.