Soll man bei Knie-, Nasen- oder Rückenschmerzen zum Arzt gehen? Dies sollte primär eine medizinische Entscheidung sein. Doch häufige Besuche von Ärzten und Physiotherapeuten führen zu steigenden Gesundheitskosten, was wiederum die Krankenkassenprämien erhöht.
Das Bundesamt für Gesundheit betont in einer Mitteilung, dass das Dämpfen des Kostenwachstums eine fortlaufende Aufgabe aller Beteiligten sei. Eine Strategie hierfür ist die Förderung eines stärkeren Kostenbewusstseins: Jeder soll wissen, dass der Bezug von Gesundheitsleistungen Kosten verursacht. Um dies zu unterstützen, plant das Amt, seine vierteljährlichen Veröffentlichungen zur Entwicklung der Kosten durch Medienmitteilungen zu ergänzen.
Tobias Müller, ein Professor für Gesundheitsökonomie an der Berner Fachhochschule, sieht in mehr Transparenz grundsätzlich einen Vorteil. Er erklärt jedoch: “Sobald man beim Arzt ist, liegt es am medizinischen Personal, was angeordnet wird, und damit auch die Kosten.” Für 2026 verzeichnen die Krankenkassenprämien durchschnittlich ein Wachstum von 4,4 Prozent, wobei die mittlere Prämie bei Fr. 393.30 liegt.
Gründe für das Ansteigen der Gesundheitskosten sind vielfältig: eine alternde Bevölkerung, medizinische Fortschritte, neue Medikamente und Behandlungsmethoden sowie die erhöhte Nachfrage nach Gesundheitsleistungen. Tobias Müller merkt an, dass Patientinnen und Patienten oft denken: “Wenn ich hohe Prämien zahle, will ich auch das Beste.” Er hofft darauf, dass Patienten zweimal überlegen, wenn ein Arzt zum Beispiel eine MRT-Untersuchung nicht für notwendig erachtet. Problematisch ist es jedoch, wenn Ärzte risikoscheu sind und auf Drängen der Patienten Tests durchführen, die sie selbst für unnötig hielten.
Christoph Kilchenmann vom Krankenkassenverband Prio.Swiss betont die Wichtigkeit regelmäßiger Medienmitteilungen über Gesundheitskosten. “So wissen die Menschen, wofür ihr Geld oder ihre Prämien verwendet werden.” Er glaubt, dass Patienten zurückhaltender sein könnten, wenn sie sich als Prämienzahler fühlen.
Tobias Müller fordert strukturelle Änderungen: “Wir müssen über Spitalplanung und vermehrte ambulante statt stationäre Eingriffe sprechen.” Solche Medienmitteilungen können jedoch an diesen Problemen nichts ändern – hier ist politischer Wille gefragt.
Rendez-vous, 2.4.2026, 12:30 Uhr; liea