Der Untersuchungsbericht über den Skandal in der Zürcher Herzklinik, unter der Leitung des ehemaligen Chefarztes Francesco Maisano, enthüllt schwerwiegende Mängel und eine unverhältnismäßig hohe Sterblichkeitsrate. Das Universitätsspital hat daraufhin umgehend Maßnahmen eingeleitet.
Im Mai 2024 beauftragte das Zürcher Universitätsspital eine Expertengruppe, geleitet von ehemaligen Bundesrichter Niklaus Oberholzer, mit der Untersuchung sämtlicher Todesfälle an der Klinik für Herzchirurgie während Maisanos Amtszeit. Der 216-seitige Bericht, vorgestellt am Dienstag, kritisiert nicht nur Maisano wegen gravierender Verfehlungen, sondern auch die damaligen Spitalleitung und den Spitalrat für ihre Passivität bei der Problembewältigung.
Die Kommission stellt fest, dass unter Maisanos Leitung die Behandlungsqualität unzureichend war. Dies führte zu einer Übersterblichkeit von 68 bis 74 vermeidbaren Todesfällen bei etwa 4500 Operationen. Besonders in der zweiten Hälfte seiner Amtszeit erreichte die Sterblichkeitsrate besorgniserregende Werte.
Maisano entwickelte zudem ein Implantat, das Cardioband, welches vielen Patienten keinen Nutzen brachte und bei 13 Fällen unangemessen eingesetzt wurde. Zwar waren die meisten Komplikationen nicht direkt auf das Gerät zurückzuführen, doch zeigten nur drei Patienten einen dauerhaften Behandlungserfolg.
Der Bericht macht zwei Hauptgründe für die erhöhte Mortalität aus: die mangelnde Kompetenz des Teams und die Untätigkeit der Klinikleitung. Während Maisano persönlich akzeptable Resultate erzielte, erreichte sein Team nicht die erwarteten Standards. Seine Führungsqualitäten wurden als unzureichend beschrieben.
Obwohl die Spitaldirektion bereits 2017 über erhöhte Sterblichkeit informiert wurde und externe Audits in Auftrag gab, verschlechterte sich die Situation bald wieder. Der Spitalrat verfolgte das Thema nach ersten Medienberichten im April 2018 nicht weiter.
Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli wurde erst 2020 über die erhöhten Sterblichkeitsraten informiert und versichert, dass keine Sofortmaßnahmen erforderlich seien. Trotzdem wurden später Verbesserungsvorschläge gemacht.
Maisano verließ schließlich das Spital im Sommer 2021 nach medialer Kritik. Die damalige Doppelrolle als Arzt und Unternehmer führte zu Interessenkonflikten, die den Patienten nicht offenbart wurden.
CEO Monika Jänicke und Präsident André Zemp des Spitalrats zeigten sich schockiert über die Ergebnisse. Sie betonen, dass organisatorische und kulturelle Veränderungen nun notwendig seien. Die Klinik für Herzchirurgie unter neuer Leitung entspricht nun den hohen Standards.
Die Staatsanwaltschaft untersucht 24 Fälle wegen Verdachts auf fahrlässige Tötung und Urkundenfälschung. Drei der Fälle wurden direkt von der Untersuchungskommission an die Staatsanwaltschaft übergeben.