Das kubanische Regime zieht erhebliche Gewinne aus dem Schweizer Zigarrenimport, wobei exklusive Dokumente aufdecken, dass Staatsmittel bis nach Havanna gelangen. Jährlich versammelt sich die Tabakindustrie in Havanna zum Festival del Habano, um dort weltweit renommierte Zigarrenmarken zu präsentieren und Humidore für hohe Summen zu versteigern – darunter sind auch Schweizer Teilnehmer wie der verstorbene Heinrich Villiger. Die jüngst abgesagte Veranstaltung ist auf Kubas wirtschaftliche Krise zurückzuführen, in der Luxusgüterexporte essentiell für Devisen werden.
Die Zigarrenimporte in die Schweiz erfolgen exklusiv über Intertabak AG mit Sitz in Pratteln. 2024 verzeichnete das Unternehmen einen Gewinn nach Steuern von mehr als 20 Millionen Franken, gesichert durch lediglich 21 Angestellte. Über fünf Jahre summierten sich die Gewinne auf über 50 Millionen Franken. Diese Informationen stammen aus den Geschäftsberichten der kubanischen Exportfirma Altabana.
Ein Teil dieser Einnahmen fließt direkt an Kuba, da Intertabak AG zu 50 Prozent der staatlichen Habanos gehört und zu je 25 Prozent in Schweizer Familienunternehmen wie Villiger und Lévy investiert ist. Der binationale Verwaltungsrat tagt abwechselnd in Pratteln oder Madrid.
Diese Zusammenarbeit entstand Ende der 1980er Jahre durch Fidel Castro, um den lukrativen Zigarrenhandel zu kontrollieren. Im Geschäftsbericht von 2020 ist festgehalten, dass Intertabak rund 30.000 Franken an Corona-Entschädigungen erhielt – Schweizer Steuergelder flossen somit indirekt nach Kuba.
Intertabak weist darauf hin, dass die Gewinne dem Gesamtergebnis entsprechen und keine Einblicke in kubanische Geldflüsse existieren. Trotz Vorwürfen der Menschenrechtsverletzungen betont das Unternehmen seine gesetzestreue Geschäftsführung.
Das Joint Venture zwischen Villiger und Kubanern, die 5th Avenue Products Trading, vertreibt Zigarren auch in Deutschland, Österreich und Polen. Der Politologe Bert Hoffmann vom GIGA unterstreicht die Bedeutung des Tabakexports für Kuba, insbesondere angesichts der schwerwiegenden Versorgungsengpässe.
Während das Elend auf Kuba zunimmt, steigt auch das Risiko im Zigarrenhandel. Intertabak ist zwar nicht direkt von US-Sanktionen betroffen, leidet aber unter deren indirekten Folgen wie Zahlungsproblemen mit Banken. Ein Indiz für wachsendes Risiko ist der Rückzug des Revisionsunternehmens PwC Schweiz nach über zwanzig Jahren.
Zudem gibt es Bedenken hinsichtlich der Reputation: Der Unternehmer Chen Zhi wurde wegen Betrugs verhaftet, und Berichte deuten auf Zwangsarbeit in kubanischen Tabakfabriken hin – eine Praxis, die der Staat zuletzt bestätigte.