Zwischen 99 000 und 270 000 Franken erhielten drei frühere Mitglieder der Konzernleitung der SBB im vergangenen Jahr als Entschädigung für Mandate. Die Bundesbahnen, die im selben Zeitraum 3,1 Milliarden Franken öffentliche Mittel zugesprochen bekamen, stehen unter Sparzwang. CEO Vincent Ducrot und Verwaltungsratspräsidentin Monika Ribar beklagen in ihrem Geschäftsbericht 2025 eine unzureichende Ertragskraft der SBB.
Trotz eines bis 2030 umsetzbaren Kosten- und Effizienzprogramms, das sechs Milliarden Franken einsparen soll, konnten die notwendigen Investitionen in Rollmaterial und Energiekraftwerke nicht vollständig aus eigenen Mitteln finanziert werden. Der Abschnitt über Vergütungen an ehemalige Organmitglieder im Geschäftsbericht wirft jedoch Fragen zur Haushaltsdisziplin der SBB-Spitze auf.
Im letzten Jahr erhielten Anton Häne, Markus Jordi und Peter Kummer zusammen 573 000 Franken für diverse Mandate. Dazu kommen Spesenentschädigungen sowie ein Generalabonnement der ersten Klasse. Häne, bis zu seiner Pensionierung Leiter des Personenverkehrs, bekam 99 000 Franken für Aufgaben bei SBB Historic und im Zusammenhang mit dem bevorstehenden 125-Jahr-Jubiläum der Bundesbahnen.
Jordi erhielt zwischen Juni und Dezember 2025 insgesamt 204 000 Franken für seine Rolle in verschiedenen Gremien, darunter das Präsidium des Stiftungsrats der SBB-Pensionskasse. Er betreut zudem Dossiers wie «Internationales HR» und ist Mitglied im Stiftungsrat von SBB Historic. Neben seinen Aufgaben bei den SBB nimmt er weitere Mandate wahr, unter anderem beim Fachhochschulrat der FHNW.
Peter Kummer, ehemaliger Infrastrukturchef, übernahm nach seinem Ausscheiden einen Lehrstuhl an der EPFL Lausanne, finanziert durch die SBB, für den er 270 000 Franken bezahlt bekam. Er bleibt zudem im Verwaltungsrat des Spitalzentrums Biel und nennt sich «SBB Senior Consultant».
Die Vergütungen stoßen auf politische Kritik: Thomas Hurter, SVP-Nationalrat und Präsident der Verkehrskommission, findet die Mandatsvergaben für ehemalige Spitzenmanager unangemessen. Der Vergleich mit Monika Ribars Honorar von 294 000 Franken für ein 60-Prozent-Pensum sei nicht gerechtfertigt, insbesondere da keine Angaben zu den Arbeitsstunden gemacht werden.
Die SBB behaupten, die Vergütungen seien gemäß Good-Governance-Vorgaben transparent. Sie weisen darauf hin, dass Verwaltungsratspräsidentin Ribar für eine unabhängige Funktion bezahlt wird, während operative Funktionen wie CEO oder Topmanager mit Löhnen vergütet werden.
SP-Nationalrat David Roth fordert detaillierte Auskünfte über die Arbeitsleistungen ehemaliger Spitzenmanager. Martin Candinas, Mitte-Nationalrat, betont, dass Geschäftsleitung und Verwaltungsrat solche Entscheidungen treffen. Jedoch fordert auch er Transparenz bezüglich der Arbeitsvolumen.
Die SBB rechtfertigen die Vergütungspraxis als im Einklang mit staatlichen Vorgaben stehend, obgleich Kritiker eine Verlagerung von Verantwortlichkeiten befürchten.