Der Stresspegel bei den Postbotinnen und -boten steigt an, da Kunden ihr Paket oft am Weg abfangen wollen. Die Schweizerische Post bietet via “Post Tracking” Echtzeitverfolgung von Paketen an. Doch viele Nutzer warten nicht bis zur Zustellung zu Hause, sondern verfolgen den Boten live.
Kerstin Büchel, Leiterin Branche Post und Logistik bei Transfair, berichtet gegenüber Nau.ch, dass Kunden teilweise zum angezeigten Standort des Bote laufen. Dies stört die Abläufe erheblich. “Sie sehen im Tracking-System, dass der Zusteller nahe ist, gehen dann direkt zum Fahrzeug und fragen nach ihrem Paket”, so Büchel.
Die Folge sind Zeitverluste für die Postboten: Entweder durch das Herausgeben des Pakets oder durch Erklärungen, warum eine sofortige Übergabe nicht möglich ist. 2025 wurden über 180 Millionen Pakete von der Schweizerischen Post bearbeitet, ein Anstieg um knapp vier Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Kerstin Büchel betont die Wichtigkeit des Zeitmanagements für die Zusteller: “Das Tracking setzt sie bereits unter Druck, da der Arbeitgeber ihr Tempo kontrollieren kann. Der zusätzliche Stress durch Paket-Abfangaktionen ist enorm.” Sie schlagen vor, das Tracking mit einer Bitte zu versehen, dass Kunden ihre Pakete nicht selbst abholen.
Stefan Dauner, Mediensprecher der Schweizerischen Post, bestätigt das Phänomen. “Es kommt gelegentlich vor, dass Kundinnen und Kunden den Zusteller direkt am Fahrzeug ansprechen”, so Dauner. Jedoch sei dies nur in wenigen Fällen der Fall.
Dauner erläutert weiter, dass solche Vorfälle auch schon vor digitaler Verfolgung existierten: “Auch früher kamen Kunden zu den Fahrzeugen, wenn sie diese in ihrer Nähe sahen.” Üblicherweise sei die Übergabe dann schnell möglich.
Nach Angaben der Post erleichtern die präzisen Zustellinformationen das Arbeiten der Botinnen und Bots. Stefan Dauner erklärt: “Die Sendungsverfolgung wird als Vorteil von den Mitarbeitenden gesehen.” Sie ermöglicht es Kunden, an der Haustüre zu warten, was für die Postboten Zeit spart.
Dauner sieht Paket-Abfangaktionen als absolute Ausnahme und betont deren minimale Auswirkung auf reibungslose Abläufe. Ein reduziertes Tracking sei nicht in Betracht gezogen worden, da Kunden einen lückenlosen Service wünschten. Zudem hilft die genaue Ankündigung der Zustellung dem Diebstahlschutz.
Das Tracking dient laut Dauner ausschließlich dem Kundenservice und ist kein Überwachungsinstrument für Mitarbeitende. Personenbezogene Daten der Zustellerinnen und Zusteller werden nie an Kunden weitergegeben. Das Anliegen, das Tracking mit einer Bitte zur Nichtabholung zu versehen, wird von der Post geprüft.