Im Wallis herrscht eine enge Verbindung, wie Hotelier Art Furrer bemerkt: «Der Filz gehört zum Wallis wie die Berge.» Historikerin Elisabeth Joris betont, dass Tourismus und Bauwirtschaft im Kanton stark mit der Politik verknüpft sind, was zu einem lockeren Umgang mit Vorschriften führen kann. Doch das Bild eines «quasimafiösen Kantons» sollte vermieden werden, denn Verflechtungen gibt es überall. Das Brandunglück in Crans-Montana brachte Themen wie Filz und Vetternwirtschaft – oft als «Walliserei» bezeichnet – in den Fokus. Dabei wurde die Unabhängigkeit der Generalstaatsanwältin des Kantons hinterfragt, da sie mit dem Gemeindepräsidenten von Crans-Montana Parteikollegin und Mitglied derselben Weinzunft ist. Tamar Hosennen, Geschäftsführerin der Wirtschaftsförderung Oberwallis und ehemalige Politikerin bei den Grünliberalen, hebt hervor, dass Beziehungen die Grundlage des menschlichen Zusammenlebens sind. Sie erläutert, wie Menschen oft in einem Graubereich agieren, wo enge Verbindungen zu Vetternwirtschaft führen können. Eine klare Unterscheidung sei nicht immer möglich. Trotz der Herausforderungen betont Hosennen die Notwendigkeit von Vernetzung für Wirtschaft und Politik. Wir leben in einer informellen Gesellschaft mit persönlichen und institutionellen Grenzen, die respektiert werden müssen. Die Generalstaatsanwältin des Kantons Wallis ist Mitglied der FDP, wie auch der Gemeindepräsident Nicolas Féraud von Crans-Montana sowie Stéphane Ganzer, verantwortlich für Sicherheit und Brandschutz. Féraud und Pilloud sind in derselben Weinzunft tätig. Rotary Schweiz initiierte eine Spendenaktion zur Unterstützung der Opfer des Brandes in Crans-Montana. Bis Anfang Februar wurden laut Clubangaben über 100’000 Franken gesammelt. Andrea Weber, Mitglied der Landesleitung, betont: «Ich bin froh, dass niemand von der Gemeindebehörde von Crans-Montana im Rotary-Club ist», da dies die Hilfe erschwert hätte. Die Spenden sollen ausschließlich für Maßnahmen in Verbindung mit Crans-Montana verwendet werden und keine staatliche oder versicherungstechnische Verantwortung ersetzen. Urs Thalmann von Transparency International Schweiz beschreibt die Informalität der Schweiz als doppelschneidig. Sie bringt Vorteile, kann aber auch problematisch sein, wenn sie zu Regelbrüchen führt. Integrität ist entscheidend, besonders für Personen mit Einfluss und Macht wie Gemeinde- oder Strafverfolgungsbehörden.