In Washington finden aktuell direkte Gespräche zwischen den verfeindeten Ländern statt, doch für Beirut ist der Weg zur möglichen Normalisierung alles andere als einfach. Ein Grund dafür liegt nicht nur in der Hizbullah. Simon Karam, ein erfahrener 76-jähriger Jurist und ehemaliger libanesischer Botschafter in den USA, hatte wesentliche Rollen im Land inne – von der Beendigung des Bürgerkriegs bis hin zur Gouverneurschaft über die gesetzlose Region Bekaa. Nun soll er für Libanon ein Abkommen mit dem Erzfeind Israel aushandeln und trifft sich bald in Washington erstmals mit seinem israelischen Amtskollegen. Diese Gespräche markieren eine diplomatische Wende, da zwischen Israel und Libanon lange Zeit keine direkte Verständigung möglich schien. In Beirut reicht bereits ein Foto mit einem Israeli vor Gericht zu bringen. Gleichzeitig sind die Verhandlungen für die Libanesen riskant: Israelische Streitkräfte haben jüngst weite Teile Südlibanons besetzt, und die Hizbullah-Miliz lehnt staatliche Autorität ab. Inmitten einer wirtschaftlichen Krise und mit 1,2 Millionen Binnenvertriebenen sucht das Land nach Wegen aus der Misere. Der Angriff des Hizbullah auf Israel im März hat die Regierung in Beirut isoliert, da sie es versäumt hatte, die Miliz zu entwaffnen. Um nicht als Verhandlungsmasse bei den iranisch-amerikanischen Gesprächen in Islamabad präsentiert zu werden, suchte Libanon direkten Kontakt mit Israel. Ein neuer Kurs birgt Gefahren: Der Hizbullah droht mit einem Staatsstreich, und eine Normalisierung könnte das tief gespaltene Land destabilisieren. Historisch gesehen war die Beziehung zwischen Beirut und Jerusalem komplex – einst ruhig genug für gemeinsame Weidetätigkeiten von Bauern. Die Situation änderte sich in den 1970er Jahren, als Palästinenserkämpfer unter Yasir Arafat aus Beirut operierten. Israelische Truppen drangen 1982 nach Libanon ein, was den Aufstieg der Hizbullah beförderte und die Grenze zu einer ständig gefährdeten Front machte. Der ewige Konflikt mit Israel bietet der Hizbullah eine Existenzberechtigung. Kriege brachen oft auf, um Druck abzubauen – 2006 war ein Beispiel dafür. Die Folgen für Libanon sind verheerend: Israels Gegenschläge hinterlassen Trümmer und Tote. Ein möglicher Frieden wird pragmatisch gesehen, könnte wirtschaftliche Vorteile bringen und dennoch ist eine Implementierung ohne Machtkonsens in der vielfältigen libanesischen Gesellschaft schwierig. Der Staat hat wenig Einfluss, und das System basiert auf einer konfessionellen Machtteilung. Die Normalisierung mit Israel bleibt fern, da interne Probleme gelöst werden müssen. 1983 scheiterte ein früheres Abkommen während des Bürgerkriegs. Simon Karam, der bereits einen Vertrag über die Seegrenze aushandelte, soll nun einen neuen Anlauf starten. Präsident Aoun verspricht Vorsicht im Prozess.