Die neue Produktion des Schauspielhauses mit dem Titel «Monster» dreht sich um Kinder mit einem dunklen Teint. Dennoch bleiben sie mehr Randfiguren, denn das Stück entwickelt seine Themen nur oberflächlich. Nach der Premiere herrscht im Pfauen-Foyer Verwirrung: Sowohl Bekannte als auch Fremde hinterfragen den Sinn des Gesehenen und stellen sich die Frage, ob das Stück verstanden wurde.
Obwohl nicht ausgeschlossen werden kann, dass viele Zuschauer den nötigen Scharfsinn für «Monster» fehlt, liegt der Verdacht nahe, dass die Inszenierung von Anta Helena Recke, Maxi Menja Lehmann und Anna Froelicher als «visuelle Albtraumanalyse» nicht genügend ausgearbeitet ist. Das 80-minütige Stück wirkt wie ein abgebrochener Satz oder eine ins Leere führende Spekulation ohne Substanz oder Tiefsinn.
Ein ohrenbetäubender Monsterknall zu Beginn erzeugt Aufmerksamkeit für den noch leeren, düsteren Bühnenraum. Dort erscheint später ein Kinderschwarm durch ein Loch in der hinteren Wand. Die sieben Jungen und Mädchen stehen im Zentrum des Stücks, das um ihre «Albtraumanalyse» kreist. Sie spielen Ratespiele, feiern Geburtstage, streiten oder kuscheln. Doch stattdessen als Statisten fungierend, markieren sie eher Probleme als dass sie diese selbst darstellen könnten.
Die Regisseurinnen heben hervor, dass die Kinder eine dunkle Haut haben, zurückzuführen auf ihre Väter. Dies unterscheidet sie von ihren hellhäutigen Altersgenossen und könnte ihr Selbstbild prägen oder Probleme verursachen, wenn andere rassistisch reagieren. Doch die Inszenierung beschäftigt sich nur oberflächlich mit Rassismus.
Die Väter spielen keine Rolle im Stück, was Fragen aufwirft: Sind sie tabu oder einfach bedeutungslos? Dagegen sind die drei blasshäutigen Mütter (Karin Pfammatter, Mirjam Rast, Lena Urzendowsky) bedeutsam. Sie wirken müde und überfordert, was eher künstlerisch als realistisch begründet ist, da ihnen kaum Text oder Charakter gegeben wird.
Sind die Mütter die «Monster»? Zweifelhaft, aber sie überwältigen ihre Kinder mit Liebe oder geraten in Streit. Sie vermeiden es jedoch, auf Fragen ihrer Kinder wie «Mama, weshalb habe ich eine dunklere Haut als du?» einzugehen und tauchen stattdessen in Erinnerungen ein. Eine Mutter spricht von ihren Hoffnungen, durch Mutterschaft die Gesellschaft zu verbessern.
Schwierigkeiten im sozialen Umfeld werden angesprochen, wie Benachteiligung durch Lehrer oder Neugierde der Nachbarn auf die Kinder. Dabei reflektiert sich das Publikum in seinem Verhalten gegenüber den Kindern auf der Bühne.
Schade ist, dass die Kinder selbst kaum zu ihrem Erleben beitragen. In einem Spiel wird jemand zur Madonna, was mehr für die Regisseurinnen als die heutige Jugend zutrifft.
«Monster» scheint ein misslungenes Experiment zu sein, das besser auf einer Nebenbühne hätte stattfinden sollen. Es markiert den Tiefpunkt in der ersten Saison von Intendanz Pınar Karabulut / Rafael Sanchez, die ansonsten Qualität zeigte, insbesondere bei Bühnenbild und Kostümen.
Die Szenografie bietet beeindruckende Eindrücke: Weisse Wände verschieben sich im Raum und zellenartige Küchen entstehen. Ambient-Tracks untermalen das Geschehen. Anonyme Lehrer- oder Polizisten-Riesen vermitteln einen Eindruck von der Nutzung des Bühnenraums als Traumlandschaft.