Nach der Absage zweier Super-G-Rennen in Courchevel sichert Marco Odermatt sich bereits drei Kristallkugeln im Weltcup. Im Finale in Lillehammer könnte er mit einem Sieg im Riesenslalom einen weiteren Triumph feiern und damit eine historische Leistung vollbringen.
Mit umfangreichem Gepäck reist der 24-jährige Berner zum Weltcup-Finale nach Lillehammer. Neben den bereits gesicherten Kristallkugeln für die Gesamtwertung sowie in Abfahrt und Super-G könnte er im Riesenslalom eine vierte hinzufügen.
Nach diesem Winter wird Odermatt mindestens sechzehn solcher Trophäen zu Hause haben, fünf davon sind grosse. Diese repräsentieren seine unumstrittene Stellung als derzeit größter Skifahrer und überragender Sportler des Winters. Seine Dominanz wurde kurzzeitig durch die Erfolge von Franjo von Allmen bei den Olympischen Spielen in den Schatten gestellt, wo er dreimal Gold holte. Odermatt selbst kehrte mit drei Medaillen heim, erreichte jedoch nicht das höchste Podium.
Im Weltcup, dem objektiveren Maßstab, triumphierte der Schweizer neunmal in dieser Saison, während sein nächster Verfolger, Atle Lie McGrath aus Norwegen, dreimal gewann. Insgesamt stand Odermatt 14-mal auf dem Podest und platzierte sich in 52 Prozent aller Rennen unter den Top Drei.
Nur drei andere Athleten – Ingemar Stenmark (67 %), Alberto Tomba (57 %) und Marcel Hirscher (55 %) – erreichten bessere Werte, wobei sie hauptsächlich in Slalom und Riesenslalom antraten. Unter Fahrern, die konstant in mindestens drei Disziplinen starteten, ist Odermatts Erfolgsquote historisch herausragend, mit Pirmin Zurbriggen (40 %) und Hermann Maier (35 %) als den nächsten Konkurrenten.
Seine beeindruckende Bilanz resultiert aus einem enormen Aufwand. Die Speed-Rennen beanspruchen fast eine Woche der Saison, während er in dieser Zeit weiterhin an Riesenslaloms teilnimmt. Besonders intensiv ist die Phase kurz vor Weihnachten mit Rennen in Südtirol.
Odermatt hat 25-mal im Winter gestartet und stand 17-mal auf dem Podest, ohne jemals schlechter als Sechster zu sein. Er deutete bereits an, dass er möglicherweise den Riesenslalom zugunsten der Speed-Rennen aufgeben könnte.
Aber die Herausforderung im Riesenslalom bleibt bestehen: Er gewann nur drei von acht Weltcup-Rennen und musste sich bei den Spielen Lucas Braathen geschlagen geben. Braathen, ein begnadeter Techniker, hat gute Chancen auf eine kleine Kristallkugel.
Odermatt könnte nun überraschend die Speed-Disziplinen sausen lassen und sich vollständig auf den Riesenslalom konzentrieren. Eine solche Taktik würde ihm erstmals im Weltcup eine Rennpause ermöglichen, was er bisher vermied.
Während Siege in den Speed-Kategorien für die Saisonstatistik nur noch von geringer Bedeutung sind, könnte ein Erfolg im Riesenslalom Odermatt zum ersten Athleten machen, der vier Kristallkugeln hintereinander gewinnt – ein potenzieller Rekord in der Sportgeschichte.