In seiner neu veröffentlichten Biografie beleuchtet der Musikjournalist Stefan Hentz das bemerkenswerte Leben des Jazz-Trompeters Miles Davis, beginnend in dessen Spätphase und zurückblickend auf die Anfänge. Miles Davis, dessen Präsenz sich über zahlreiche Schallplatten, CDs, Reissues und sogar visuelle Medien wie Spielfilme und Dokumentationen erstreckt, zählt zu den bedeutendsten Jazzmusikern des 20. Jahrhunderts. Seine Fähigkeit, sich stets neu zu erfinden und die Entwicklung im Jazz maßgeblich voranzutreiben, machte ihn zum “größten Star im Jazzuniversum”, wie Hentz betont.
Im Rahmen der hundertsten Wiederkehr von Davis’ Geburtstag am 26. Mai 2026 präsentiert Hentz eine fundierte Lebensgeschichte des Künstlers, die sich durch ihre zeitgeschichtliche Einbettung auszeichnet. Davis war bekannt für seinen Pop-Star-Appeal und seine rätselhafte Persönlichkeit; er wurde oft als “Prince of Darkness” bezeichnet.
Im Unterschied zu anderen Werken konzentriert sich Hentz auf die späten Jahre von Davis, in denen er mit Funk-Jazz experimentierte und den elektrischen Sound durch elektronische Elemente bereicherte. Nach einer Phase der Selbstfindung in den 1980er Jahren kehrte er dank junger Musiker zurück zur Jazzszene, wobei die Produktion seiner Musik zunehmend von Over-Dubbing geprägt war.
Davis’ Aufstieg begann in einer wohlhabenden afroamerikanischen Familie in East St. Louis, wo seine Leidenschaft für Jazz und Trompete früh geweckt wurde. Seine Karriere nahm Fahrt auf, als er Dizzy Gillespie und Charlie Parker traf, die ihn nach New York lockten – einem Zentrum der musikalischen Revolution mit dem Aufkommen des Bebop.
In den 1950er Jahren revolutionierte Davis den Cool Jazz zusammen mit Gil Evans, bevor er in den frühen 1960ern mit John Coltrane und seinem Sextett ein Meisterwerk wie “Kind of Blue” schuf. Später öffnete sich Davis für elektronische Klänge, die ihn zum Pionier des Jazzrock machten.
Trotz seines Zenit in der Popularität durch Auftritte bei großen Rockfestivals musste er mit persönlichen Krisen und gesundheitlichen Problemen kämpfen. Sein Comeback im späteren Schaffensabschnitt markierte eine Rückkehr zu innovativen Klängen.
Stefan Hentz: Miles Davis. Sound eines Lebens. Reclam-Verlag, 2026. 385 S., 35 Abb., Fr. 47.90.