Die Migros steht vor der Herausforderung, eine effizientere Struktur zu finden und zögert noch mit der Zusammenlegung ihrer Zehn Regionalgenossenschaften. Im Kontrast dazu hat die Konkurrenz Coop durch die Fusion im Jahr 1999 einen bedeutenden Impuls erfahren.
Die entscheidende Versammlung fand im August 1999 in Montreux statt, als Delegationen aus der ganzen Schweiz sich trafen und den Weg für eine einzige Einheitsgenossenschaft ebneten. Historisch gesehen entstand Coop aus zahlreichen kleinen lokalen Konsumvereinen, die bei ihrer Hochzeit im Jahr 1950 insgesamt 572 zählten.
Vor der Fusion bestanden 14 Regionalgenossenschaften mit erheblichen Unterschieden in Größe und Finanzstärke. Die ineffiziente Struktur führte zu Investitionen am falschen Ort, was eine Neuausrichtung nötig machte. Eine vorherige Reduzierung auf sechs bis acht Genossenschaften scheiterte an Widerstand einzelner Regionen und fehlender Durchsetzungskraft in der Zentrale.
Ab 1997 begann sich dies mit Hansueli Loosli als erster Gesamtmanager für die Coop-Gruppe zu ändern. Er entwickelte im Geheimen eine Vision, bekannt als Coop Forte, und legte schließlich einen unterschriftsreifen Fusionsvertrag vor.
Vor der entscheidenden Versammlung in Montreux herrschten noch Zweifel, doch Loosli überzeugte mit einem Referat über zukünftige Herausforderungen wie die Konkurrenz durch Aldi und Lidl oder den Onlinehandelsboom. Die finanzielle Schieflage einiger Genossenschaften verlieh der Dringlichkeit Nachdruck.
Am folgenden Tag stimmten die Verwaltungsräte für Looslis Plan, wobei das nahende Rentenalter vieler Regionalführer als psychologischer Faktor galt. Die Fusion wurde ohne Urabstimmung umgesetzt; anschließend wurden neue Logistikstrukturen und eine zentrale SAP-Software eingeführt.
Diese Veränderungen ermöglichten schnelle Entscheidungen, wie den Kauf von EPA-Warenhäusern oder Übernahmen im Grossflächengeschäft. Trotz einiger Misserfolge, wie beim Siroop-Projekt, war der Wandel erfolgreich.
Im Gegensatz dazu sucht die Migros auch 25 Jahre nach Coop-Forte nach ihrer optimalen Struktur. Der finanzielle Druck für eine Fusion war lange unzureichend. Erst kürzlich beendete die Zentrale einen teuren Alleingang der Zürcher Regionalgenossenschaft mit dem Tegut-Ausstieg.
Trotz der Aufteilung in zehn Genossenschaften hat sich die Migros bereits teilweise entflechtet. Die Migros Supermarkt AG übernimmt seit 2024 Einkaufskompetenzen, während Fachmärkte an Dritte verkauft wurden.
Dennoch gibt es mehr Kooperationen in der Logistik und im Marketing. Im Herbst verabschiedete die Delegiertenversammlung die “Vision 2035”, welche die Notwendigkeit einer strukturellen Anpassung hervorhebt, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
Obwohl derzeit alles vage erscheint, könnte sich ein Wandel schneller vollziehen als erwartet. Die Tatsache, dass Coop das Supermarktgeschäft nahezu erreicht hat, könnte die Regionalfürsten zum Handeln bewegen.