Nach fünf Wochen anhaltender Konfrontation zwischen dem Iran und der internationalen Gemeinschaft, die durch die Blockade der Straße von Hormuz verstärkt wird, wächst die Spannung über das weitere Vorgehen und dessen mögliche Auswirkungen im Nahen Osten. ‘NZZ Pro’ bietet drei Szenarien an und lädt Leser ein, ihre Meinung abzugeben.
Die Rede von Präsident Donald Trump, in der er mehr Selbstlob als konkrete Strategie präsentierte, ließ Fragen offen über die Fortsetzung des Konflikts. Während er den Kriegsverlauf mit dem Vietnam-Krieg verglich und auf weitere zwei bis drei Wochen pochte, blieben klare Aussagen aus. Der Erdölpreis reagierte kurzfristig positiv, doch bleibt vieles ungewiss – insbesondere die Möglichkeit eines Bodenkampfes.
Drei aktualisierte Szenarien werden präsentiert:
1. Die iranische Regierung zeigt weiterhin Widerstand und nutzt ihre Allianzen zur Durchbrechung der Abwehr von Israel, den USA und Golfstaaten. Trotz des Scheins eines Siegs sind die Revolutionsgarden durch gezielte Angriffe geschwächt und interne Spaltungen im Regime nehmen zu. Reformkräfte wie Präsident Pezeshkian gewinnen an Einfluss.
2. Der Krieg verstärkt den Fanatismus der iranischen Hardliner, die nationale Stolzgefühle geschickt nutzen und damit Teile der Bevölkerung mobilisieren. Die Blockade der Straße von Hormuz verursacht internationale Energie- und Finanzmarktspannungen. Trump sucht nach einem schnellen Ausweg aus dem Konflikt, während die USA militärisch präsent bleiben.
3. Im ungünstigsten Fall für den Westen eskaliert der Konflikt zur Bodenkampagne. Die Revolutionsgarden intensivieren ihre Angriffe und nutzen asymmetrische Kriegsführung gegen die US-Militärpräsenz, was zu schweren Verlusten führt. Trumps Entscheidung, zivile Infrastruktur anzugreifen, verstößt gegen Völkerrecht, provoziert innenpolitischen Widerstand und destabilisiert globale Märkte.
Die jeweiligen Auswirkungen auf das internationale Kräftespiel sind tiefgreifend: Szenario 1 könnte zu einem diplomatischen Umschwung führen, während in Szenario 2 die Großmächte eine Pattsituation ausnutzen. In Szenario 3 würde der Konflikt weitreichende geopolitische Verschiebungen nach sich ziehen, mit potenziellen Nuklearversuchen Irans und einer gestärkten Stellung Chinas und Russlands.
Unabhängig vom Ausgang bleibt die Region ein Brennpunkt des Machtkampfs, dessen Dynamik weiterhin unvorhersehbar ist.