Ein 62-jähriger Schwede droht eine lange Haftstrafe, nachdem er beschuldigt wurde, seine Ehefrau jahrelang zwangsprostituiert zu haben. Der Fall hat in Schweden große Bestürzung ausgelöst und erinnert an den Fall der Französin Gisèle Pelicot. Dem Mann wird vorgeworfen, über mehr als drei Jahre hinweg seine Frau gegen ihren Willen mit zahlreichen Männern zum Sex gebracht zu haben. Er organisierte die Kontakte im Internet, brachte seine Ehefrau zu den Freiern und überwachte die Treffen, während er sie filmte. Die Anklageschrift berichtet von psychischer Gewalt und Todesdrohungen, inklusive Drohung mit Verbrennung oder Verstümmelung. Der Mann bezeichnete sich selbst als «das Monster».
Die schwedische Staatsanwaltschaft hat am Montag Anklage wegen schwerer Zuhälterei, Vergewaltigung und Körperverletzung erhoben. Nach Festnahme Ende Oktober durch die Polizei im Norden Schwedens nach einer Anzeige seiner Frau, befindet sich das Paar mittlerweile in Scheidung. Der Angeklagte soll von den Treffen profitiert haben, um Schulden zu begleichen und war früher Mitglied des Rockerklubs Hells Angels.
Der Fall wirft Fragen über die Strukturen auf, in denen Gewalt entstehen kann: Wie konnte ein solches System jahrelang unbemerkt bleiben? Der Täter setzte seine Frau vor den Treffen unter Drogen und hielt sie abhängig. Die Ermittler sprechen von einer «rücksichtslosen Ausbeutung». Während die Methode sich vom Pelicot-Fall unterscheidet, wo der Mann Betäubungsmittel einsetzte, bleibt das Ergebnis gleich: Keine Selbstbestimmung für die Frauen.
In Schweden ist der Kauf sexueller Dienstleistungen strafbar, während Verkäufer straffrei bleiben. Zuhälterei hingegen wird geahndet. Die Anwältin der betroffenen Frau äußerte gegenüber AFP die Hoffnung auf Gerechtigkeit.
Das Gericht in Schweden soll im April verhandeln, mit einer möglichen Haftstrafe von zwei bis zehn Jahren bei Verurteilung. Der Fall zeigt nicht nur individuelle Gewalttaten, sondern auch das Entstehen von Gewalt in privaten und vertrauten Beziehungen.