Der Fall gegen Christian Ulmen löst Empörung aus, und Mütter befürchten nun, dass ihre Söhne von der negativen Wahrnehmung betroffen sind. Das Argument «Not all men – butUlmen» oder «not all men – but always a man» wird im Netz als Reaktion auf die Debatte um Männergewalt diskutiert und verdeutlicht, dass nicht alle Männer gleichwertig in solchen Zusammenhängen gesehen werden sollten.
Der Auslöser für diese Diskussion ist der Vorwurf von Collien Fernandes (44) gegen ihren Ex-Mann Ulmen (50). Sie hat ihn beschuldigt, über Jahre hinweg Fake-Profile in sozialen Medien erstellt zu haben. Diese seien genutzt worden, um Sexchats mit Männern aus ihrem beruflichen Umfeld zu führen sowie für Telefonsex mit KI-generierter Stimme und Deepfake-Fotografie.
Dieser Vorfall wirft ein Schlaglicht auf größere gesellschaftliche Unsicherheiten bezüglich digitaler Übergriffe und Vertrauen in Beziehungen. Auf Plattformen wie Instagram äußern sich viele Mütter besorgt. Eine davon schreibt: «Die Welt braucht mehr Männer, die zuhören und Frauen achten (…). Lassen wir uns an unseren Söhnen orientieren, um Hoffnung für unsere Töchter und Enkelinnen zu haben.» Auch Väter wie Bürger Lars Dietrich betonen auf Instagram ihre Verantwortung, neue Männerrollen zu fördern.
SRF-Moderatorin Judith Wernli teilt die Reaktion einer Followerin, die besorgt ist, dass Frauen Angst vor ihren Söhnen haben könnten. Als Mutter zweier Jungs (20 und 15) äußert sie ihre Ängste, dass diese mit negativen Stereotypen in Verbindung gebracht werden könnten.
Markus Theunert, Psychologe bei Männer.ch, erklärt, dass die Angst der Eltern verständlich ist, da Männlichkeitsvorstellungen oft gewaltbegünstigend sind. Doch die Gesellschaft trage die Hauptverantwortung, um solche Normen zu bekämpfen. Theunert betont: «Wir müssen patriarchale Strukturen in unserer Gesellschaft hinterfragen und Jungen schon früh vermitteln, dass sie keine starren Männlichkeitsnormen erfüllen müssen. Es ist wichtiger, sich mit Körper und Gefühlen zu verbinden, um gewaltfrei durchs Leben zu gehen.»
Theunert hebt hervor, dass die Schweiz in der Auseinandersetzung mit patriarchalen Männlichkeitsnormen erst am Anfang steht. Er weist darauf hin, wie bereits Neugeborene Jungs ruppiger behandelt werden und Schimpfwörter im Pausenhof aufgrund von Geschlechterstereotypen genutzt werden.