Während die rote Knolle häufig konsumiert wird, landen ihre Blätter oft als Abfall. Esther Kern, eine renommierte Food-Expertin und Autorin von Büchern über spezielle Gemüsearten, betont: Die Blätter sind ein aromatisches Kraftpaket und sollten nicht weggeworfen werden.
Sie rät dazu, die Blätter fein zu hacken und wie Kräuter zu verwenden. So könnten sie beispielsweise einem Salat beigefügt werden, erklärt Kern. Ein Salat aus Radieschenknolle und gehackten Blättern sei sowohl geschmacklich als auch optisch ansprechend dank der Farben Rot, Weiß und Grün. Sie empfiehlt zudem die Herstellung eines Kräuterfrischkäses mit Zitrone, Salz, Pfeffer und optional Olivenöl.
Geschmacklich ähneln Radieschenblätter dem Rucola und sind auch scharf – eine Schärfe, die bei Kochen verloren geht. Wer diese beibehalten möchte, sollte sie roh verwenden oder als Öl zu gekochten Gerichten hinzufügen. Bei Suppen etwa schlägt Kern das Hinzufügen von Radieschenblattöl vor, um Frische zu verleihen.
Esther Kern experimentiert gerne mit ungewöhnlichen Gemüsesorten und berät sich bei unbekannten Lebensmitteln ausführlich. Sie informiert sich in historischen Büchern und zieht auf ein breites Expertennetzwerk zurück. Die Zugehörigkeit zur Kohlfamilie, zu der die Radieschen gehören, bestärkt sie darin, dass die Blätter essbar sind.
In den letzten zehn Jahren hat sich das Bild von Radieschenblättern gewandelt; immer mehr Menschen nutzen sie in ihrer Ernährung. Dies führte zu einer gesetzlichen Anerkennung: Seit dem 1. Januar 2025 gelten Radieschenblätter offiziell als Lebensmittel in der EU, was Vorschriften für den Pestizidgehalt mit sich bringt.
Kern freut sich über diese rechtliche Entwicklung und hebt hervor, dass die Definition von Gemüse sich gewandelt hat. Die Schweiz wird diese Bestimmungen ab Juli 2026 umsetzen, wodurch auch hierzulande Radieschenblätter als Lebensmittel anerkannt werden.
Experimente auf der Internationalen Raumstation haben gezeigt, dass Radieschen unter Mikrogravitation wachsen können. Dies ist wichtig für die Versorgung bei Langzeitmissionen und bedeutet, dass Astronauten nun auch von Blättern profitieren könnten.
Radio SRF 1, 23.03.2026, 15:15 Uhr