Wie wird sich der Konflikt zwischen dem Iran, den USA und Israel entwickeln? Die Unsicherheit bleibt bestehen, da Donald Trumps unvorhersehbares Verhalten alle Optionen offenlässt. Diverse Signale aus Teheran deuten darauf hin, dass die Lage komplex ist, wie die ARD-Korrespondentin Katharina Willinger vermerkt.
Seit 2017 berichtet Katharina Willinger für die ARD über Türkei und Zypern sowie seit 2020 auch aus dem Iran. Sie leitet das ARD-Studio in Istanbul und das Büro in Teheran.
SRF News fragt nach der offiziellen Haltung des Irans: Derzeit gibt es keine offizielle Stellungnahme auf Trumps Waffenruheverlängerung seitens Teherans. Die Nachrichtenagentur Tasnim, verbunden mit den Revolutionsgarden, deutet jedoch an, dass Trump erkannt habe, den Konflikt nicht gewinnen zu können – und schon verloren habe. Gleichzeitig warnte sie vor einem möglichen Hinterhalt der USA, bei dem bald neue Angriffe drohen könnten. In diesem Fall werde man dem Gegner noch schwerere Niederlagen zufügen, wie es von den Revolutionsgarden hieß.
Medien berichten von möglichen Rissen in der iranischen Führung. Katharina Willinger gibt an, dass alle Beteiligten aus dem gleichen Establishment stammen und Nuancen erkennbar sind. Am Ende jedoch benötigt eine Seite die andere, um die Strategie Teherans zu verfolgen. Ohne den Schatten der Revolutionsgarden wäre auch Außenminister Ali Akbar Salehi mit seiner Politik machtlos.
Der bisherige Revolutionsführer Ayatollah Ali Chamenei wurde Anfang Februar getötet, und sein Sohn Modschtaba wurde als Nachfolger eingesetzt. Dieser trat jedoch nie öffentlich auf; Gerüchte besagen, er sei bei dem Angriff schwer verletzt worden.
In den letzten Jahren hat sich die Macht vom Revolutionsführer hin zu den Revolutionsgarden verschoben, welche entscheidende Maßnahmen wie die Sperrung der Strasse von Hormus durchsetzen. Das Regime nutzt diese Position strategisch aus und versucht nun, auf Trumps Verlängerungsentscheidung mit Forderungen nach Aufhebung von Sanktionen zu reagieren.
Die iranische Bevölkerung steht vor bitteren Realitäten: Die Proteste im Januar führten zur Krise, und die Hoffnung auf Trumps Hilfe zerschlug sich. Verhandlungen mit dem Regime, das für Massentötungen verantwortlich ist, werden von der Bevölkerung als Verrat empfunden.
Das Interview führte Ivana Pribakovic.