Rainer Kühnis entdeckte schon früh seine Passion für die Natur, insbesondere während seiner Kindheitstage im Schaaner Riet oder an den Gewässern. “Alles, was flatterte, schwamm oder plötzlich aus dem Gebüsch huschte, weckte unsere Neugier”, erinnert sich Kühnis. Mit 15 Jahren bekam er von seinem Vater eine Canon A1 – damals ein legendärer Fotoapparat – geschenkt.
Seitdem versucht er stets, das Faszinierende der Natur zu fotografieren. Seine besondere Vorliebe gilt den Eulen, anderen Vogelarten und insbesondere dem verborgenen Reichtum unter Wasser. “Die Unterwasserwelt bleibt vielen Menschen unsichtbar und hat daher kaum eine Lobby”, erklärt er. Trotzdem kann sie unglaublich farbenprächtig sein.
Diese Leidenschaft zeigt sich bereits auf dem Coverbild dieser Panorama-Ausgabe: boxende Feldhasen, deren Kampf ein Zeichen für Fitness bei der Fortpflanzung ist. Auch Libellen beeindrucken ihn mit ihrer Fähigkeit, in der Luft nicht nur zu schweben, sondern rückwärts zu fliegen. Der Eichelhäher fasziniert ihn ebenfalls; er versteckt tausende Nüsse und Eicheln im Herbst, wobei einige davon neue Bäume zur Folge haben.
Auch wenn die Kosten für seine Kameraausrüstung sein Auto übersteigen mögen, betont Kühnis: “Technik allein macht noch kein gutes Bild.” Der Blick fürs Motiv entscheidet darüber, ob ein Foto spannend oder harmonisch wirkt. Er bedient sich dabei Konzepten wie dem “Goldenen Schnitt” und seiner Intuition. Für ihn ist Fotografie zugleich eine Geduldsübung: “Ich bin hyperaktiv”, gesteht er. Während des Wartens auf ein Motiv lernt er, Ruhe zu bewahren – eine wohltuende Abwechslung zum hektischen Alltag.
Viele seiner Aufnahmen entstehen in Liechtenstein und manchen Nachbarländern. Seine Bilder finden international Beachtung: Sie erscheinen regelmäßig in Zeitschriften, Publikationen und Fernsehdokumentationen bei Arte oder dem ZDF.
Als Präsident des Fischereivereins verbringt Kühnis viel Zeit an Bächen und Flüssen. Diese Lebensräume sind für ihn von besonderer Bedeutung: “Wasser ist das Lebenselixier”, betont er. Entlang der Gewässer findet sich eine hohe Biodiversität, die jedoch fotografisch Herausforderungen mit sich bringt: Unter Wasser verschwinden Rottöne rasch, viele Fischarten sind scheu und die Ausrüstung muss wasserdicht sein.
Ein unvergesslicher Moment war, als er bei einer Seerosenblüte auf eine Libelle wartete, doch plötzlich sprang ein Wasserfrosch in die Blüte. “Mir ging es um das Libellenfoto, dem Frosch um einen Leckerbissen”, erinnert sich Kühnis. Solche spontanen Begegnungen machen für ihn den Reiz aus.
Ein gutes Foto entsteht laut ihm durch das Zusammentreffen eines besonderen Motivs mit Ästhetik und dem richtigen Moment, gepaart mit Geduld und Erfahrung. Manchmal führt intensive Beobachtung zu überraschenden Begegnungen – etwa einem Säbelschnäbler in einer Pfütze oder einem Kuhreiher, der Schafen hinterherstolzierte.
Es gibt Momente des Bedauerns über verpasste Chancen: Einmal saß eine Zwergohreule auf seinem Balkon, doch die Kamera war nicht zur Hand. Auch ein Steinkauz, der in seiner Jugendzeit hier brütete, wäre ein Highlight gewesen.
Dennoch bleibt Hoffnung lebendig, da er bereits zwei Nisthilfen angebracht hat: Vielleicht schaut ja bald einer vorbei.