Die jüngsten Entwicklungen im Konflikt mit dem Iran zwingen die Golfstaaten zur strategischen Neubewertung. Während die Region von Unsicherheit geprägt ist, erkennen sie ihre Fähigkeit zu einem Umdenken und zur Übernahme größerer Verantwortung in der eigenen Sicherheitspolitik. Allerdings bleibt Unterstützung aus Asien und Europa bisher aus. Über Jahre verfolgten die Golfstaaten eine ambivalente Strategie: Auf der einen Seite Appeasement gegenüber dem iranischen Regime, auf der anderen enge Beziehungen zu den USA und teilweise auch Israel. Mit iranischen Angriffen im März gerieten diese Pläne ins Wanken, was die Golfstaaten zum Handeln zwingt. Die Vernachlässigung regionaler Sicherheitsfragen zugunsten globaler Ambitionen steht nun zur Debatte. Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und Saudi-Arabien traten in der Vergangenheit als quasi-große Mächte auf, während Katar sich als Förderer islamistischer Bewegungen positionierte. Doch die Bedrohung durch Iran – insbesondere wegen der strategisch wichtigen Straße von Hormuz – rückt nun ins Zentrum ihrer Überlegungen. Eine kürzlich vom Uno-Sicherheitsrat verabschiedete Resolution, initiiert von Bahrain im Namen der Golfstaaten, bekräftigt, dass iranische Angriffe gegen internationales Recht verstoßen. Mit breiter Unterstützung schafft sie die Grundlage für eine mögliche militärische Verteidigung. Trotz verstärkter Rüstung in den letzten Jahren setzen die Golfstaaten ihr Militär derzeit defensiv ein, könnten dies aber ändern. Anwar Gargash von den VAE fordert Asien und Europa zur Kooperation auf, was bisher wenig Anklang findet. Die Erfahrung des Verlassenseins durch traditionelle Handelspartner wie China, Indien oder Japan belastet die Region zusätzlich. In Europa zeigt sich ebenfalls Zurückhaltung: Deutschland lehnte eine Unterstützungsanfrage der USA ab und veranschaulicht so das Missverständnis der Grundlagen globaler Handelswege. Die Sicherung internationaler Wasserstraßen, die für den Welthandel essentiell ist, bleibt ein internationales Anliegen. Israelische und amerikanische Luftstreitkräfte attackieren iranische Ziele, während westliche Abwehrsysteme auf Raketen und Drohnen reagieren. Der Konflikt könnte die Position der USA und Israels in der Region stärken, wie auch Sultan al-Jaber von den VAE betont: Langfristige Lösungen müssen alle Bedrohungen einschließen. Auch Katar, traditionell Iran-naher als andere Golfstaaten, spricht sich nun für eine neue Strategie aus. Muhanad Seloom warnt vor einer Kontrolle der Straße von Hormuz durch den Iran nach dem Konfliktende. Während Teheran und Peking als Verlierer des Konflikts gelten könnten, sehen die Golfstaaten nun die Notwendigkeit, eigenständig zu handeln. Die Unterstützung aus Washington und Jerusalem ist vorhanden, doch allein darauf sich verlassen zu wollen, wäre riskant. Es liegt an den Golfstaaten selbst, ihre Zukunft aktiv mitzugestalten.