Die Freien Wähler haben seit 2021 einen Sitz im Mainzer Landtag inne und könnten nun erneut eintreten. Für ihre Bundespartei wäre dies ein historischer Meilenstein, könnte aber auch Herausforderungen mit sich bringen.
In Bayern sind die Freien Wähler vor allem durch Hubert Aiwanger bekannt, der seit 2008 im Münchner Landtag sitzt und seit 2018 stellvertretender Ministerpräsident ist. Nun könnte Joachim Streit, Spitzenkandidat für die anstehende Landtagswahl in Rheinland-Pfalz, eine neue Dynamik ins Spiel bringen.
Streits Ziel ist es, die SPD unter Ministerpräsident Alexander Schweitzer nach 35 Jahren Regierungszeit aus der Macht zu verdrängen. Er fordert eine völlig neue Regierung: Eine Koalition zwischen CDU und Freien Wählern wäre politisch naheliegend, da Streit mit dem CDU-Kandidaten Gordon Schnieder bereits langjährige Verbindungen pflegt. Allerdings ist eine solche Schwarz-Orange-Koalition aufgrund des Mehrheitsbedarfs unwahrscheinlich.
Eine andere Möglichkeit könnte eine Kooperation zwischen CDU (28 Prozent) und Grünen (9 Prozent) sein, wobei die Freien Wähler eine entscheidende Rolle spielen könnten. Damit wäre ein Parlamentsmehrheit einfacher zu erreichen, solange Linke und Sonstige nicht mehr als 5 bzw. rund 13 Prozent erzielen.
Thomas Poguntke von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf erklärt, dass eine Koalition aus CDU, Grünen und Freien Wählern durchaus verlockend sein könnte, um die SPD zu verdrängen. Solche unkonventionellen Bündnisse sind in anderen Bundesländern bereits Realität geworden.
Joachim Streit, 60 Jahre alt und promovierter Jurist, würde bei einem erfolgreichen Einzug in den Landtag eine Schlüsselrolle einnehmen, möglicherweise sogar als Minister oder stellvertretender Ministerpräsident. Seine politische Karriere führte ihn von der Bürgermeisterstellung in Bitburg zum Landrat und schließlich ins EU-Parlament, nachdem er die Freien Wähler 2021 mit einem starken Wahlergebnis erstmalig in den Landtag brachte.
Nach seinem Wechsel ins EU-Parlament litt die Partei unter internem Streit und Verlust ihres Fraktionsstatus. Die Umfragewerte sanken auf 3 Prozent, doch nun bemühen sich die Freien Wähler um eine geschlossene Front für die Landtagswahl am 22. März.
Streit selbst sieht seine Bekanntheit als Vorteil und beschreibt sich als populär in ganz Rheinland-Pfalz. Er wird oft mit Aiwanger verglichen, obwohl er sich von dessen Führungsstil unterscheidet.
Trotz der Unterstützung von Aiwanger fehlt es an gemeinsamen Anstrengungen im Wahlkampf, was die Eigenständigkeit des rheinland-pfälzischen Verbands unterstreicht. Dies wirft Fragen nach der Identität der Freien Wähler auf: Sollen sie sich als regionale Gruppen oder als bundesweit aktive Partei verstehen?
Die Parteienforscher Poguntke und Uwe Jun diskutieren, ob ein Erfolg in Rheinland-Pfalz den Einfluss Bayerns innerhalb der Freien Wähler schwächen könnte. Aiwanger hat zwar bundespolitische Ambitionen, doch fehlende Ressourcen im Wahlkampf könnten seine Pläne durchkreuzen.
Ein Erfolg in Rheinland-Pfalz könnte die Bundespartei neu beleben und möglicherweise eine Konkurrenz für Aiwanger schaffen. Streit und Aiwanger, beide mit eigenem Machtbewusstsein, stehen vor unterschiedlichen politischen Herausforderungen.