Ein Vorfall in einem Jugendklub von Neukölln wirft neues Licht auf das Verhalten der Behörden bei mutmaßlichen Übergriffen. Ein 16-jähriges Mädchen wurde Opfer einer sexuellen Vergewaltigung und Belästigungen, die durch acht Jungen mit arabischen Wurzeln begangen wurden. Das Jugendamt steht in der Kritik, da es die Anzeigeerstattung verweigerte, um eine Stigmatisierung zu verhindern.
Mitarbeiterinnen eines benachbarten Mädchenzentrums informierten das Amt bereits im Januar über die Vorwürfe. Sie berichteten von Belästigung und Vergewaltigung der 16-Jährigen durch acht Jugendliche, wobei auch eine Erpressung mit einem Video erwähnt wurde. Trotz ihrer Forderungen nach Anzeigeerstattung lehnte das Jugendamt dies ab, um die Marginalisierung einer bestimmten Gruppe zu vermeiden.
Die Mitarbeiterinnen des Mädchenzentrums schickten eine eidesstattliche Versicherung an das Bezirks- und Senatsamt Neukölln sowie an Medien. Diese kritisiert das Jugendamt scharf für seine Vorgehensweise, die von der zuständigen Stadträtin Sarah Nagel bestritten wird. Sie behauptet, dass es keine Vertuschungsversuche gegeben habe und Hintergründe bei der Behandlung der Fälle keine Rolle spielten.
Erst nachdem das Mädchen am 23. Februar Strafanzeige erstattete, begannen die Ermittlungen. Der Vorfall hat bereits Konsequenzen für das Jugendamt zur Folge: Eine Mitarbeiterin wurde versetzt. Die CDU-Fraktion hatte einen Abwahlantrag gegen Nagel gestellt, der jedoch gescheitert ist.
Die Probleme im Klub sind nicht neu; schon Anfang 2025 gab es Meldungen über Übergriffe. Sarah Nagel kündigte Reformen an, um Meldeketten und Krisenmanagement zu verbessern, einschließlich regelmäßiger Übungen zur Vorbereitung auf Notfälle.
Der Jugendklub bleibt bis zum Sommer geschlossen, während der Bezirk mit diesen Vorwürfen konfrontiert ist. Der Fall wirft Fragen über das Management migrantisch geprägter Brennpunkte auf und die Sicherheit in solchen Einrichtungen.