Die Stadt Olten, bekannt als Knotenpunkt bedeutender Bahnlinien und oft als Eisenbahnerstadt bezeichnet, hat sich in den letzten zehn Jahren zu einer Literaturstadt entwickelt. Diese Transformation verdankt sie der Initiative der lokalen Tourismusorganisation, die 2016 den Schriftstellerweg ins Leben rief. Autorinnen und Autoren mit Verbindungen nach Olten haben seitdem das Image der Stadt als Durchgangsort in Frage gestellt. “Anfangs dachte ich, es sei ein weiteres Marketingprojekt, um Aufmerksamkeit zu generieren”, erinnert sich Alex Capus, ein Oltner Schriftsteller. Doch schnell überzeugte ihn die Idee. Die Attraktivität des Weges zeigt sich darin, dass im vergangenen Jahr 23’000 Mal auf die bereitgestellten Geschichten zugegriffen wurde, wie Stefan Ulrich von Olten Tourismus berichtet. Diese Anekdoten sind über QR-Codes in der Stadt zugänglich. Mit der Zeit entwickelte sich der Schriftstellerweg zu einer Schweizer Institution mit 25 beteiligten Autoren und mehr als 70 Hörstationen, die Geschichten auf Mundart, Hochdeutsch und Französisch anbieten. Diverse Routen bieten Themen wie Familientouren oder Krimi-Liebhabern spezifische Erlebnisse, darunter eine Tour entlang des “Quai Cornichon” mit Beiträgen von Kabarett-Preisträgerinnen und -trägern. Eine barrierefreie “Best-of-Tour” stellt zudem das Angebot für Menschen im Rollstuhl oder mit Sehbehinderung sicher. Stefan Ulrich betont den Erfolg dieses Projekts, welcher durch die authentische Verknüpfung der Autoren mit der Stadt und das humorvolle Element in vielen Geschichten geprägt ist. “Unsere Konzeption lässt sich nicht einfach kopieren”, so Ulrich. Die Verbindung zur lokalen Kultur wird dadurch verstärkt, dass die Geschichten an ihren Handlungsorten in der regionalen Mundart vorgetragen werden und man Autoren wie Alex Capus oder Pedro Lenz in Olten persönlich treffen kann. Während konkrete Zahlen zu Hotelübernachtungen fehlen, hebt Ulrich hervor, dass das Projekt Olten als Alleinstellungsmerkmal positioniert hat. Das literarische Angebot zieht nicht nur Aufmerksamkeit aus der Westschweiz und Deutschland auf sich. Franz Hohler berichtet von Anfragen für Live-Lesungen während des Rundgangs und betont, dass ähnliche Projekte existieren, wie etwa in Oerlikon, wo er persönliche Erzählungen zu Orten seiner Romane anbietet. Laut Regionaljournal Aargau Solothurn vom 10. April 2026, hat der Schriftstellerweg somit nicht nur die Wahrnehmung Olten verändert, sondern auch Menschen in die Stadt gelockt.