Das Opernhaus Zürich hat für die Spielzeit 2026/27 ein Programm mit Fokus auf amerikanische Themen angekündigt. Die drei Neuproduktionen werden dabei jedoch nicht Donald Trump zum Thema haben, wie Intendant Matthias Schulz am Mediengespräch erklärte. Stattdessen steht das Interesse an «zentralen Momenten der US-amerikanischen Geschichte und deren Einflüssen bis in die Gegenwart» im Mittelpunkt.
Zu den 18 Premieren zählen Repertoirestücke wie Mozarts «Zauberflöte», Strauss’ «Elektra», Verdis «La traviata» sowie Donizettis «L’elisir d’amore». Zudem wird die Serie mit selten gespielten Werken weitergeführt, darunter drei Kurzopern von Sergei Rachmaninow, zwei davon in Schweizer Erstaufführung. Im Bereich experimenteller Formate ist beispielsweise Thom Luz’ Musiktheater-Performance «Werckmeister Harmonien» zu sehen, die Texte des Musiktheoretikers Andreas Werckmeister mit Kompositionen von Heinrich Schütz bis Charles Ives verknüpft.
Repertoire und ungewöhnliche Produktionen sind bewusst gepaart: Während erstere laut Schulz die finanzielle Basis sichern, fördert letzteres das Renommee des Hauses. Mehrere Projekte entstehen an der Schnittstelle von Musiktheater und zeitgenössischer Kunst, etwa Boris Eldagsens Videokunst für «Elektra». In der Eröffnungspremiere der «Zauberflöte», inszeniert von Daniele Finzi Pasca, wird ein Klassiker mit einer markanten Regiehandschrift neu interpretiert.
Tenöre wie Jonas Kaufmann, Juan Diego Flórez und Benjamin Bernheim sowie die Sopranistinnen Anja Kampe, Sonya Yoncheva und Regula Mühlemann stehen auf dem Spielplan. Besondere Beachtung dürfte den Auftritten von Anna Netrebko gelten; 2025 trat sie in Zürich mit «Forza del destino» auf. Schulz betonte, dass Künstler wie Netrebko nicht als Sündenböcke missbraucht werden sollten, da man die eigentlichen Verantwortlichen des Konflikts nicht erreichen könne. Netrebko selbst hat sich seit 2022 vom Kreml distanziert und tritt nicht mehr in Russland auf.
Das Ballett Zürich präsentiert vier neue Stücke zwischen Tradition und Innovation, wie Ballettdirektorin Cathy Marston erklärte. Ihr neues Werk «Ein Sommernachtstraum», das zusammen mit dem Designer Richard Hudson entstand, verlegt Shakespeares erotisches Drama auf einen verlassenen Spielplatz und kombiniert Musik von Felix Mendelssohn sowie Gabriel Prokofjew.
Die Zusammenarbeit zwischen Oper Zürich und Tonhalle-Orchester wird fortgesetzt: Sinfonien und Solokonzerte von Sergei Prokofjew werden abwechselnd im Opernhaus und in der Tonhalle gespielt. Für ein breiteres Publikum sind wieder das Eröffnungsfest «24 h Opernhaus» sowie das Open-Air-Format «Opernhaus für alle» geplant.
International will sich die Oper Zürich ebenfalls etablieren: Das Orchester gastiert in der Pariser Philharmonie und bei einem Konzert in der Carnegie Hall New York, wo unter der Leitung von Gianandrea Noseda Richard Wagners vollständiger «Ring»-Zyklus aufgeführt wird.