Der Fußballweltmeister von 1990 Pierre Littbarski präsentierte eine eindrucksvolle Theaterpremiere im Kölner Stollwerck. In seinem einzigartigen Stück schlüpfte er in zehn verschiedene Rollen und brachte vor allem sein eigenes Leben auf die Bühne. Unter dem Titel “Litti macht Theater” erzählte Littbarski, der 73-fache Nationalspieler, seine Geschichte während einer drei Stunden dauernden Aufführung.
Das Publikum erlebte eine Überraschung: Der als fröhlicher Kicker bekannt gewordene Littbarski zeigte tiefgehende Einblicke in sein Leben. Er berichtete von der Zeit, als er im Alter von zwei Jahren bei seinen Großeltern untergebracht wurde und sich wie ein unerwünschtes Möbelstück fühlte. Seine Kindheitserinnerungen wurden eindrucksvoll dargestellt, wobei Littbarski emotionale Momente nicht scheute.
Littbarskis Stück beleuchtete auch seine sportliche Karriere: den Wechsel zum 1. FC Köln mit 18 Jahren und seinen Aufstieg zum Weltmeister. Er diskutierte die Eigenschaften, die einen Champion ausmachen: Talent, Konsequenz, Perfektion, Schmerzen, Leidenschaft und Gier. Dabei gestand er offen ein, dass er Ibuprofen “wie Smarties” eingenommen hatte, um im Sport keinen Platz für Konkurrenten zu lassen.
Das Publikum wurde Zeuge von Littbarskis vielfältigem Talent als Schauspieler und Komiker. In einer Szene trat er nur mit Badehose auf und schilderte groteske Massageszenen in Iran, während er sich auch einmal in eine Krankenschwester verwandelte. Diese Figur empfing ihn in Sydney, um den Stürmer Dwight Yorke zu einem exzessiven Treffen einzuladen – ein Angebot, das Littbarski aus geschäftlichen Gründen ablehnte.
Zu seiner Premiere hatte Littbarski seine Tochter Denise eingeladen und ihr direkt sein Bedauern über die Vernachlässigung des familiären Lebens zugunsten seiner Karriere zum Ausdruck gebracht. Auch seine Freundschaft mit dem Torwart Toni Schumacher wurde thematisiert, der ihm in seiner Laufbahn zur Seite stand.
Littbarskis Theaterabend war nicht nur eine persönliche Herausforderung, sondern auch ein Erfolg, der ihn nun überlegen lässt, ob es eine Fortsetzung geben könnte. Der Anlass für sein Stück war, “aus der Komfortzone herauszutreten”, was ihm auf beeindruckende Weise gelang.