Politische Porträts führen oft zu Spannungen, wie das Beispiel eines Zürcher Regierungsrats zeigt. Künstler, die solche Werke schaffen, riskieren heftige Kritik, wenn ihr Gegenüber sich nicht adäquat dargestellt sieht. Das öffentliche Echo auf ein misslungenes Porträt kann den Ruf des Malers gefährden und zugleich mehr über das Bild der Machtinhaber offenbaren. Am britischen Hof ist man sich dieser Dynamik bewusst. So sind von Königin Elizabeth II. keine kritischen Stellungnahmen zu ihren zahlreichen Porträts bekannt, selbst nicht zu jenem des berühmten Malers Lucian Freud aus dem Jahr 2001, das die Monarchin ungeschönt zeigte. Offizielle Reaktionen blieben höflich. Ähnlich agierte Prinzessin Kate 2012 bei ihrer ersten offiziellen Darstellung durch Paul Emsley, obwohl Kritiker sie als ästhetisches Fehlgriff bezeichneten. Ein kürzliches Beispiel für solche Konflikte ist das des Schweizer Malers Hans Witschi mit dem Zürcher Regierungsrat Martin Neukom. Nach drei Versuchen stimmte Neukom keiner Darstellung zu, da sie ihm nicht jung und modern genug erschien – ein Anspruch, der sich von Witschis Eindruck als sensibel und intellektuell unterschied. Solche Diskrepanzen sind kein neues Phänomen. Donald Trump äußerte öffentlich, dass sein Porträt in Colorado „absichtlich verzerrt“ sei. Ähnliche Kritiken kamen von Theodore Roosevelt bis Richard Nixon, dessen Bild im Weißen Haus durch ein anderes ersetzt wurde. Historisch betrachtet, hat schon Elizabeth I. unvorteilhafte Porträts vernichten lassen und eine „Maske der Jugend“ etabliert. Diese Tradition idealisierter Darstellungen von Machtinhabern hält bis heute an, auch in digitalen Medien. Pablo Picasso stellte diese Spannung zwischen Ideal und Wahrheit eindrücklich dar: Seine Porträts Stalins für die kommunistische Zeitschrift „Les Lettres françaises“ lösten Kontroversen aus. Picasso verteidigte seine künstlerische Freiheit gegenüber der Erwartung einer idealisierten Darstellung.