Die Menschenrechtsorganisation Reporter ohne Grenzen hat die aktuelle Rangliste zur globalen Pressefreiheit veröffentlicht. Laut dieser sind nur noch in sieben Ländern die Bedingungen «gut», was einem Bruchteil der Weltbevölkerung entspricht.
Die Lage der Pressefreiheit ist laut RSF im Vergleich zum Vorjahr weiterhin rückläufig. Zum ersten Mal seit 25 Jahren befinden sich mehr als die Hälfte aller untersuchten Länder in den Kategorien «schwierig» oder «sehr ernst». Norwegen bleibt Spitzenreiter und führt die Rangliste bereits zum zehnten Mal in Folge an, gefolgt von den Niederlanden und Estland. Eritrea, Nordkorea und China belegen weiterhin die letzten Plätze.
Syrien verzeichnete mit einem Sprung von Platz 177 auf 141 die größte Verbesserung nach dem Ende des Bürgerkriegs unter Bashar al-Asad. Im Gegensatz dazu fiel Niger um 37 Ränge auf den 120. Platz zurück.
Die Schweiz erreicht im Vergleich zum Vorjahr den achten Platz von 180 Ländern, was einer Verbesserung um einen Rang entspricht. Dies ist laut RSF hauptsächlich dem Rückgang in Portugal geschuldet, das zuvor vor der Schweiz lag.
Deutschland rangiert auf Platz 14 und fällt damit drei Plätze im Vergleich zum Vorjahr zurück. Die Situation wird als «zufriedenstellend» eingestuft, dennoch sehen sich Journalisten vermehrt mit Online- und Offline-Bedrohungen konfrontiert.
RSF führt diese Probleme auf ein zunehmend polarisiertes Arbeitsumfeld zurück, das vor allem durch kontrovers diskutierte Themen wie die Nahostberichterstattung beeinflusst wird. Viele Journalisten berichten von wachsendem Hass und einem Vertrauensverlust gegenüber den Medien.
Ein besonderer Fokus liegt auf dem abnehmenden rechtlichen Schutz für Medienschaffende, der laut RSF weltweit am stärksten zurückgegangen ist. Journalistenberufe werden oft kriminalisiert, etwa durch Gesetze zur Terrorismusbekämpfung oder nationalen Sicherheit.
Die Schweiz wird speziell beim rechtlichen Schutz für Medienschaffende auf den 18. Platz gesetzt. Ein Beispiel dafür ist Artikel 47 im Bankengesetz, der Reporter, die geleakte Daten nutzen, bis zu drei Jahre Freiheitsstrafe androht. Im Sommer 2025 wurden deshalb Wohnung und Redaktion von Journalist Lukas Hässig durchsucht.
In rechtlicher Hinsicht schneidet Deutschland besser ab und belegt Platz 11, während es insgesamt auf Platz 14 liegt. Die jährliche Rangliste basiert auf Kriterien wie der Sicherheit von Journalisten, politischen Rahmenbedingungen sowie wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Faktoren.
Obwohl Reporter ohne Grenzen als eine zentrale Beobachtungsstelle für Pressefreiheit gilt, sind die Bewertungen nicht objektive Analysen. Sie basieren auf konkreten Daten wie Verhaftungen oder Überwachung sowie Befragungen von Journalisten und Experten.