Als die Nachricht vom Tod des amerikanischen Pop-Stars Prince am Abend des 21. Aprils 2016 die Welt erreichte, löste sie zunächst Entsetzen aus – viele hofften auf einen Hoax. Doch bald war klar: Der erst 57-jährige Musiker war tot in einem Fahrstuhl gefunden worden, nachdem er an den Folgen einer Überdosis Fentanyl gelitten hatte. Er hatte schon länger Schmerzmittel genommen, um mit den körperlichen Strapazen seines intensiven Künstlerlebens fertigzuwerden.
Zehn Jahre ist es nun her seit dem Tod von Prince Rogers Nelson, der als Monument der Pop-Geschichte in Erinnerung bleibt. Mit Hits wie “Purple Rain” und “Kiss” prägte er den Sound der 1980er nachhaltig. Seine Musik hallt bis heute auf jeder “Ü-50”- oder “80s”-Party wider.
Prince übte weiterhin Einfluss aus, wobei Anklänge seiner Arbeit in Songs von Künstlern wie The Weeknd und Beyoncé zu finden sind. Doch sein Vermächtnis liegt weniger in einem spezifischen Sound als vielmehr in seinem künstlerischen Niveau begründet.
Es ist verlockend, das Können junger Musiker an den Standards von Prince zu messen, doch dies wäre ungerecht. Er gehörte einer anderen Epoche an – eine Zeit vor dem Zeitalter des Samplings und der rein synthetischen Gesangsbegleitung. In einem kulturellen Umfeld, das sich zunehmend auf analoge Virtuosität konzentrierte, erschien er als letzter Vertreter einer vergangenen Musikkultur.
Mit Alben wie “1999”, “Purple Rain” und “Sign o’ the Times” präsentierte Prince sich als Pionier und Nonkonformist. Er setzte sich über Stilgrenzen hinweg, spottete mit anzüglichen Texten und androgyner Aufmachung den Regeln von Anstand und Moral. Funk, Rock, New Wave und Disco vereinte er zu einem unverwechselbaren Repertoire.
Nelson George, ein amerikanischer Musikpublizist, bezeichnete ihn als einen der besten Musikhistoriker seiner Zeit. Doch hatte Prince keinen festen Stil, der hätte Schule machen können. Während in den späten 1980ern und frühen 1990ern Genres wie House, Techno und Hip-Hop aufkamen, blieb er seinen vielfältigen Vorlieben treu – sogar bis hin zu Jazz und Swing.
Sein Hyperindividualismus war typisch für die 80er Jahre, besonders als schwarzer Musiker. Die euphorische Bürgerrechtsbewegung der Vergangenheit hatte dem kühleren Funk Platz gemacht, der dennoch militanteren Kreisen diente. Doch in Ronald Reagans Präsidentschaft schwand die Solidarität, und das Crack-Epidemie erschütterte afroamerikanische Gemeinschaften.
Im Pop wurden soziale Themen durch Hedonismus verdrängt. Prince setzte sich als Einzelkämpfer durch – geboren 1958 in Minneapolis. Er wollte wie Michael Jackson ein breites Publikum erreichen und tat dies, als MTV ab 1982 ihre Videos zeigte.
Als Unternehmer kämpfte er lange mit Warner wegen der Rechte an seinen Alben und seinem Namen. Ab 1993 nannte er sich aus Protest “The Artist Formerly Known as Prince”. Nach dem Auslaufen seines Vertrags veröffentlichte er seine Werke bei NPG Records, seinem eigenen Label im Paisley Park.
Bis zu seinem Tod brachte Prince regelmäßig neue Aufnahmen heraus, die seine Geschicklichkeit und Originalität offenbarten. Seine Live-Auftritte zeichneten sich durch eine magische Präsenz aus – er spielte Keyboard, Gitarre und sang in allen Registern.
Seine Performances oszillierten zwischen Pathos und Parodie, Wut und Entzücken – ein musikalischer Gigant mit einer Spannbreite von Himmel bis Hölle. Sein Vermächtnis bleibt zeitlos.