Bei den bevorstehenden Lokalwahlen am 7. Mai in England, Schottland und Wales könnte die Labour-Partei für viele enttäuschte Wählerinnen und Wähler büßen müssen. Laut Umfragen stehen sie vor massiven Verlusten: Sie könnten bis zu drei Viertel ihrer Sitze auf der lokalen Ebene einbüßen. Die Siegerin der Lokalwahlen 2022 könnte also zur Verliererin von 2026 werden.
Die traditionelle Dominanz des Partei-Duopols aus Labour und den konservativen Tories bröckelt, wie Politikwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler beobachten. Protestparteien könnten nun die Nase vorn haben: In England dürften neben den Grünen auch die rechtsnationale Reform-UK-Partei gewinnen, während in Schottland und Wales nationalistische Parteien punkten.
Die Umfragen lassen erwarten, dass Reform UK zur stärksten Kraft auf lokaler Ebene in England avanciert und in Schottland sowie Wales den zweiten Platz belegt. Die Vertrauenskrise der Tories nach Boris Johnsons Amtszeit und die Sparmaßnahmen von Labour im Sozialbereich begünstigen Reform UK.
Die Grünen haben mit ihrem neuen Parteichef Zack Polanski einen charismatischen Populisten an der Spitze, der geschickt Labour ausnutzt. Er positioniert seine Partei als linke Alternative und spricht viele Brexit-Frustrierte an, indem er den Wiedereintritt in die EU fordert.
Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten Grossbritanniens schaden Labour weiterhin, während nationalistische Kräfte wie “Plaid Cymru” in Wales und die Schottische Nationalpartei SNP von der Unzufriedenheit profitieren. In Wales könnte Plaid Cymru Labour nach Jahrzehnten von der Spitze verdrängen, während SNP in Schottland eine starke Mehrheit anstrebt. Doch für ein mögliches Unabhängigkeitsreferendum ist die Zustimmung aus London erforderlich, was nicht einfach zu erreichen sein dürfte.