Dr. Ben Brönnimann, Oberpsychologe der Psychiatrischen Dienste Aargau AG; Susanne Gedamke, Geschäftsführerin der Schweizerischen Patientenorganisation SPO; Annina Hess-Cabalzar, Gründerin der Akademie Menschenmedizin und Initiatorin des amm Cafés Med; Prof. Sabina Hunziker, leitende Ärztin für Medizinische Kommunikation an der Universitätsspital Basel erörtern Fragen zu Arzt-Patienten-Gesprächen.
Ein 30-jähriges Frauen mit mehreren komplexen chronischen Erkrankungen fragt nach Tipps, wie sie in Arztgesprächen verstanden und ernst genommen wird. Sabina Hunziker rät, die Anliegen klar zu strukturieren: das Hauptproblem benennen, Auswirkungen im Alltag erläutern und konkrete Wünsche äußern (wie Abklärung oder Therapie). Eine Übersicht über Diagnosen und Medikamente mitbringen kann hilfreich sein. Gezielte Fragen stellen und bei psychischen Verfehlungen darauf hinweisen, dass beide Aspekte berücksichtigt werden sollten. Für eine bessere Zusammenarbeit der beteiligten Fachärzte, sollte man um Weiterleitung von Berichten bitten.
Eine Patientin schildert Frustration darüber, dass ihre Fragen oft ignoriert wurden und fragt nach Stellen gegen Medical Gaslighting in der Schweiz. Susanne Gedamke bestätigt die Legitimität einer Frageliste beim Arztbesuch und empfiehlt bei Missständen eine Korrektur der Krankenakte oder die Kontaktaufnahme mit Patientenorganisationen.
Ben Brönnimann gibt Ratschläge für das Umgang mit anspruchsvollen Patienten, während Annina Hess auf den Wert physischer Untersuchungen in ärztlichen Begegnungen hinweist. Eine weitere Frage betrifft die Notwendigkeit der Durchleitung durch Hausärzte bei spezialisierten Kontrolluntersuchungen, wobei Susanne Gedamke darauf hinweist, dass dies von den Versicherungsmodellen abhängt.
Annina Hess empfiehlt Patienten, ihre Einstellung zur Überweisung an Spezialisten klar zu kommunizieren. Eine weitere Patientin schildert Schwierigkeiten mit ihrer neuen Hausärztin und wird zum klärenden Gespräch oder einem Brief geraten.
Ein autistischer Patient beschreibt Probleme beim Tempo in Arztgesprächen und der spontanen Interaktion, woraufhin Annina Hess die Begleitung durch eine vertraute Person empfiehlt. Eine umfassende Frage zur strukturellen Kritik an der Arzt-Patienten-Beziehung wird von Susanne Gedamke mit einem Hinweis auf den Wandel hin zu mehr Patientenorientierung und -beteiligung beantwortet.
Sabina Hunziker betont die Bedeutung kommunikativer Kompetenzen in der ärztlichen Ausbildung. Die SRF-Gesundheitssendung lädt zudem dazu ein, persönliche Geschichten zu teilen, um weiterhin auf Veränderungsbedarfe im Gesundheitswesen hinzuweisen.