Mit ruhiger Besonnenheit und radikalem Inhalt zieht Raphael Golta in den Wahlkampf, dessen eigene Parteimitglieder ihn nicht vollends durchschauen. Kurz nach Zwölf am Wahlsonntag hängt der Sozialdemokrat das Wahlplakat ab – ein Versprechen an die Wähler: «Du wählst, ich handle.» Doch bevor er handeln kann, muss er auf die Ergebnisse warten. Golta, in seinem hellen Wohnzimmer mit Blick über Zürich, wirkt entspannt und gelassen. Sein Blick bleibt jedoch häufig an seinem MacBook hängen – ein Gerät, das ihm den Spitznamen «Mac-Sozialist» eingebracht hat. Vor 15 Jahren war er ein aufstrebender Kantonsparlamentarier mit markigen Sprüchen; heute steht er kurz davor, Zürichs höchster Politiker zu werden. Im zweiten Wahlgang am 10. Mai dürfte er unangefochten antreten. Politik versteht Golta als das Nutzen und Generieren von Chancen – ein Ansatz, der seinen politischen Stil prägt. Seine Vergangenheit im Zürcher Kantonsparlament, insbesondere eine Abstimmung 2013 über den Paragraf 49b des kantonalen Baugesetzes, zeigt seine strategische Kompetenz. Dieser Passus, der Gemeinden das Recht gibt, preisgünstige Wohnungen bei privaten Bauprojekten zu fordern, könnte unter seiner Führung als Stadtpräsident strikt umgesetzt werden. Der Wahlkampf zeigte Goltas Herausforderung: Er musste sich gegen Kontrahenten behaupten, die ihre Lebensgeschichte in den Mittelpunkt stellten. Golta selbst präferiert eine Politik der Inhalte über Persönlichkeiten. Seine Jugend im veränderten Zürich formte ihn zu einem Mann ohne Sozialromantiker-Tendenzen. Als Kind eines aufgestiegenen Tessiner Bauingenieurs erlebte er die Ängste seines Vaters und wählte einen eigenen Weg, geprägt von Studium, politischem Engagement und pragmatischer Politik. Golta, bekannt für seine bescheidene Herkunft, hat sich als Sozialvorsteher profiliert. Mit innovativen Maßnahmen wie der Basishilfe für Sans-Papiers oder Stipendienprogrammen setzte er Zürich als Leuchtturmprojekt für soziale Gerechtigkeit ein. Seine Fähigkeit, nationale und kantonale Gesetze kreativ zu umgehen, zeugt von seiner politischen Tüchtigkeit. Auch wenn Golta bei manchen als aufbrausend gilt, sieht er sich selbst als leidenschaftlichen Veränderer. Mit seinen langen Arbeitstagen und der Leidenschaft für das Gestalten zeigt er seine Hingabe zur Politik. Er betont die Wichtigkeit von Bescheidenheit und verwehrt sich gegen symbolpolitische Auseinandersetzungen, die seiner Meinung nach alle politischen Lager beschäftigen. Als neuer Stadtpräsident plant Golta, den von ihm mitgeformten Paragraf 49b konsequent umzusetzen. Dieser soll private Bauvorhaben an eine Mindestquote preisgünstiger Wohnungen binden und ist ein Beispiel für seine langfristige Planung. Am Abend des Wahlsonntags feiert Golta den deutlichen Wahlsieg im Verwaltungshochhaus Werd. Er gibt sein Versprechen ab, sich nach der offiziellen Bekanntgabe dem Publikum zu stellen. Inmitten seiner Entourage und mit Blick auf die untergehende Sonne über Zürich, symbolisiert dies den Beginn einer neuen Ära unter Raphael Golta. {