Für viele Amerikaner linksgerichteter Ausrichtung ist der Rücktritt eines Spitzenbeamten aus Protest ein Beweis für die Richtigkeit ihrer Kritik am Krieg. Diese Ansicht wird jedoch als Heuchelei betrachtet. In den Medien und Hollywood wird oft die Faszination für Heldenfiguren sichtbar: insbesondere jene, die mutig ihre Erkenntnis über Unrecht öffentlich machen. Joe Kent scheint auf den ersten Blick für diese Rolle prädestiniert zu sein: ein hochdekorierte Veteran und treuer Anhänger Donald Trumps in dessen “America first”-Bewegung, der nun seine Regierungskarriere für die Kritik am Iran-Krieg opfert. Sein Protest scheint dadurch gewichtig. Kent wird von Republikanern im isolationistischen Lager und Demokraten als Kronzeuge geschätzt – eine Quelle des Lobes über seinen “Rückgrat”. Auch Medien wie die “Washington Post” und die “New York Times” berichten unkritisch über seinen Rücktritt, der Kents Botschaft hervorhebt: Trump sei einer Lüge aufgesessen und von der “mächtigen Israel-Lobby” manipuliert worden. Die Hintergründe des Angriffs auf den Iran sollten untersucht werden, besonders da Präsident Trump selbst Zweifel an seiner Kompetenz schürte. Dennoch ist Kent ein unglaubwürdiger Zeuge – er verbreitet Verschwörungstheorien und antijüdische Hetze. Sein Rücktrittsschreiben veranschaulicht dies, indem es fälschlicherweise Israel für die Irak-Invasion 2003 verantwortlich macht, obwohl das Land damals nicht begeistert war. Kent behauptet weiter, seine Ehefrau Shannon sei in einem “von Israel fabrizierten Krieg” gefallen. Tatsächlich starb sie bei einem Anschlag der Terroristen des IS im Jahr 2019. Die Schuld lag nicht bei den Israelis, sondern bei den Extremisten, die eine Intervention nötig machten. Dass Kent solche Theorien auch im Kontext seines persönlichen Verlusts verbreitet, wirkt unanständig. Kent ist ein Extremist, der Israel stets als Schuldigen sieht. Seine Glaubwürdigkeit bezüglich Trumps angeblicher israelischer Einflussnahme auf den Iran-Krieg kann daher in Frage gestellt werden. Die Demokraten, die ihn nun loben, hatten einst seine Ernennung abgelehnt und auch die “New York Times” sah ihn als unseriös an. Das tieferliegende Problem liegt bei Trump, der solche unqualifizierten Figuren in sein Kabinett holte. Während Trump nun behauptet, Kent sei schwach in Sicherheitsfragen gewesen, sollten Kritiker des Iran-Kurses auf Argumente statt dubioser Zeugen setzen. Joe Kent ist kein Held, sondern ein antisemitischer Radikaler.