Der verirrte Wal Timmy wurde von einem Rettungsteam mit einem Lastkahn in die Nordsee gebracht, wobei seine Überlebenschancen weiterhin ungewiss bleiben. Der Auftakt der Aktion gelang überraschend gut: Am Dienstag drehte ein Helferteam den vor Poel gestrandeten Buckelwal mit Feuerwehrschläuchen um 180 Grad und führte ihn in ein Schiff, das sie anschließend aus der Bucht zogen. Seitdem reist Timmy im mobilen Transportbecken Richtung Nordsee.
Die meisten Walexperten kritisieren die Aktion und empfehlen, den geschwächten Wal sterben zu lassen, da das Hantieren am Tier, Lärm von Schiffen und der lange Transport für ihn eine Qual darstellen könnten. Trotzdem ist das Ziel des privaten Rettungsteams klar: Sie möchten Timmy bis zum Wochenende nahe Skagen freilassen, nach einem vorgesehenen Medizincheck.
Drei Szenarien sind danach denkbar. Der optimistische Ausgang wäre, dass Timmy sich von den Strapazen erholt und ein normales Leben als Buckelwal führt, einschließlich Wanderungen zum Polargebiet zur Nahrungssuche im Sommer und Paarungsbemühungen im äquatorialen Wasser im Winter. Die Biologin Anja Gallus vom Deutschen Meeresmuseum in Stralsund hält dies jedoch für unwahrscheinlich.
Es besteht auch die Möglichkeit, dass Timmy den Stress des Transports nicht übersteht und wie andere Meeressäuger während Rettungsversuchen verstirbt. Der Lärm der Schiffe im Lastkahn könnte besonders belastend sein. Überlebt er diese Phase, bleibt seine Fähigkeit zur Mobilität eine weitere Herausforderung, vergleichbar mit einem Menschen, der nach langer Bettlägerigkeit wieder zu Kräften kommen muss.
Der Wal hatte schon vor dem Transport Probleme: Er strandete seit März immer wieder und könnte durch Krankheit oder Verletzung geschwächt sein. Anja Gallus warnt, dass er untertauchen und das Bewusstsein verlieren könnte, falls er nicht an die Wasseroberfläche zurückkehrt.
Sollte Timmy wider Erwarten überleben, könnte Adrenalin ihm helfen, den kritischen Moment seiner Freilassung zu meistern. Dennoch bleibt seine Zukunft unsicher – möglicherweise wegen Infektionen oder Verletzungen, wie dem Vorhandensein von Netzresten im Rachen.
Wissenschafter forderten daher, Timmy mit einem Peilsender auszustatten, um den Erfolg der Aktion zu messen. Helfer stimmten zu und werden die Daten geheim halten, um eine Menschenansammlung zu verhindern. Gallus betont zudem die Bedeutung einer Obduktion nach dem Tod des Wals, um dessen Gesundheitszustand besser zu verstehen.
Sollte Timmy an der dänischen Küste stranden, würde er dort laut Umweltministerium sterben lassen, da Strandungen als natürliches Phänomen gelten und die Tiere nicht durch menschliches Eingreifen gestört werden sollen. Trotz des Interesses an seiner Rettung mahnt Gallus, das Bewusstsein für Walschutz nicht nachlassen zu lassen: Jährlich sterben 300.000 Wale als Beifang.
Anja Gallus ruft dazu auf, den eigenen Fischkonsum kritisch zu hinterfragen und fordert nachhaltigere Fischereimethoden in der Ostsee, um weitere Todesfälle von Schweinswalen durch Netze zu verhindern. Schutzzonen könnten solche tragischen Ereignisse minimieren.