In Genf und überall in der Schweiz sind Innenräume makellos rein. Doch für jene, die diese Sauberkeit gewährleisten, herrschen oft triste Arbeitsbedingungen vor.
Ein Beispiel ist Genesi, eine 60-jährige Frau, die sich mit vielen kleinen Aufträgen über Wasser hält und rund 50 Stunden pro Woche arbeitet – für weniger als 3000 Franken monatlich. Ihr Fall steht stellvertretend für einen Sektor im Umbruch.
Reinigungskräfte zu beschäftigen hat noch nie so einfach funktioniert: Plattformen versprechen eine gereinigte Wohnung mit wenigen Klicks, attraktive Preisen und Bewertungsmöglichkeiten. Die Branche wird somit maßgeschneidert.
Diese Entwicklung führt jedoch zur Verwässerung der Verantwortlichkeiten. Mirella Falco von der Gewerkschaft SIT in Genf bemängelt gegenüber RTS: «Man weiss nicht mehr, ob die Plattform, die App oder eine unbekannte Partei als Arbeitgeber auftritt.»
Die SIT ist besorgt über die zunehmende Digitalisierung der Branche. Falco erläutert: «Nur der Arbeitgeber kann Löhne bei den Sozialversicherungen deklarieren, während dem Arbeitnehmer keine Wahl bleibt.»
Daher setzen andere Modelle auf klare Anstellungsverhältnisse mit Ausbildungen und einem rechtlichen Rahmen. Batmaid zum Beispiel setzt sich gegen Schwarzarbeit ein: Eine Stunde Haushaltsreinigung kostet durchschnittlich 44,90 Franken.
Andreas Schollin-Borg von Batmaid betont: «In der Schweiz hat die Arbeitgeberrolle ihren Preis. Unter 36,25 Franken lohnt sich nichts für uns.» Hinzu kommen noch 8,65 Franken Betriebskosten und eine Marge von 2 Prozent.
Der Markt ist geprägt von Niedriglohnarbeit, Premium-Dienstleistungen, Schwarzarbeit und gutgläubigen Arbeitgebern.
Ein Zwischensystem bietet der Arbeitscheck: kantonale Strukturen wie Top relais im Wallis ermöglichen es, Angestellte zu deklarieren, ohne ein Unternehmen beizuziehen. Die Kosten liegen bei etwa 30 Franken pro Stunde, wovon sieben Prozent an die kantonale Struktur gehen.
Im Wallis und anderen Westschweizer Kantonen gewinnen solche Modelle an Popularität. Simon Theodoloz von Top relais erklärt: «Arbeitgeber erkennen zunehmend die Bedeutung der Deklaration ihres Personals», doch sei unklar, ob dies die Dunkelziffer nicht deklarierter Arbeit ausgleicht.
Genesi hat ihre selbst deklarierte Reinigungsarbeit beendet. Ein neuer Auftrag ruft in einer anderen Stadt. «Die Anerkennung für meine Arbeit ist gering», bemerkt sie, «am Ende des Tages hört man nicht oft Komplimente. Das fühlt sich unangenehm an.»
Mit mehr Deklaration und Hilfsmitteln zur Arbeitsvereinfachung kann die Branche sauberer werden – aber der große Frühjahrsputz steht noch aus.
RTS basik, 13.4.2026, 20:10 Uhr.